Pflanzliche Arzneimittel bei Kindern

Im medizinischen Fachjargon wird die Anwendung von Arzneipflanzen Phytotherapie genannt. Darunter versteht man ein breites Spektrum von pflanzlichen Tees, über Ayurveda-Arzneimittel, orthomolekularer Medizin bis hin zu traditioneller chinesischer Medizin und vielem mehr. Viele moderne Arzneimittel haben ihren Ursprung in der Phytotherapie, eine der ältesten Therapieformen weltweit. Einige in der Apotheke frei verkäuflichen pflanzlichen Arzneimittel unterliegen für die Zulassung den gleichen Bestimmungen wie synthetisch-künstliche, jedoch gibt es eine Vielzahl von pflanzlichen Präparaten, die zwar einen Unbedenklichkeitsnachweis für die Verwendung haben, deren Wirksamkeit aber nicht bewiesen ist.  Dabei können Pflanzen, Pflanzenteile oder –extrakte durchaus eine sehr starke Wirkung haben: Der Fingerhut, beispielsweise, enthält den sehr gefährlichen Wirkstoff Digitalis. 2,5g der Blätter können bei Kindern zu schweren Rhythmusstörungen am Herz bis hin zum Herzstillstand führen.

In den vergangen Jahren werden immer mehr Kinder- Studien sprechen von aktuell über 50% - mit pflanzlichen „natürlichen“ Arzneimitteln behandelt. Beruhigend ist, dass eine schweizerische Untersuchung der Daten des Giftnotrufs  über einen Zeitraum von 10 Jahren keine schweren Verläufe nach der – irrtümlichen – Einnahme von pflanzlichen Arzneimitteln zeigte. Gravierende Nebenwirkungen scheinen also selten zu sein.

Um die Wirksamkeit von Arzneimitteln zu beweisen, sind jedoch Studien mit  bestimmten Kontrollgruppen notwendig. Für pflanzliche Arzneimittel existieren leider hier nur begrenzt Daten. So konnte gezeigt werden, dass Teemischungen mit Fenchel bei Koliken wirksam sind. Flohsamen können bei Reizdarm helfen. Verschiedene Kombinationspräparate verbessern Durchfallerkrankungen. Für psychische Erkrankungen lassen sich im Augenblick mangels aussagekräftiger Studien keine Empfehlungen für pflanzliche Medikamente aussprechen. Für die Prävention von Atemwegsinfekten gibt es keine eindeutig positiven Wirksamkeitsstudien. Bei der Therapie scheinen bestimmte Präparate mit Efeu oder mit Pelargonium sidoides positive Effekte auf den Krankheitsverlauf zu haben. Letzteres kann möglicherweise sogar zu einer Reduktion der Asthmaattacken während eines Virusinfektes führen. Es gibt hier noch viel zu erforschen.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

 

Ohnmachtsanfälle im Kindesalter

Ohnmachtsanfälle kommen in jedem Alter vor und sogar schon bei Säuglingen. Am häufigsten sind Jugendliche und junge Erwachsene betroffen.

Was passiert da überhaut?

Ein Ohnmachtsanfall (auch Synkope genannt) entsteht, wenn für kurze Zeit das Gehirn nicht ausreichend mit Blut versorgt wird. In der Regel ist dies nur von kurzer Dauer und der/die Betroffene erholt sich wieder schnell und vollständig. Wir unterscheiden verschiedene Typen von Synkopen, allen voran die sogenannten Reflexsynkopen. Durch verschiedene Auslöser kommt es reflexartig zu einem Abfall der Herzfrequenz und des Blutdrucks. Das können so verschiedene Faktoren sein wie Geruch, Niesen, Husten, Urinieren, langes Stehen, Wärme, Alkohol oder Krankheit und Fieber. Auch Emotionen spielen eine Rolle. Vielen bekannt dürften Ohnmachtsanfälle beim Anblick von Spritzen und Blut sein. Aber auch der Schmerz selbst oder Panik und Angstreaktionen können zu einer Synkope führen, nicht zuletzt auch durch die häufig damit verbundene Hyperventilation (das bedeutet: schnelles, heftiges Atmen). Die Mechanismen, wie es dann genau zu einer Synkope kommen kann, sind sehr interessant und vielfältig. Zum einen laufen manche Reflexe sehr schnell direkt über Hirnnerven zum Herzen und lösen hier einen langsamen Herzschlag und Blutdruckabfall aus. Andere Reaktionen werden mit der „Gehirnselbstschutztheorie“ erklärt. Bei drohender Minderdurchblutung des Gehirns werden bestimmte Reflexe aktiviert oder gehemmt, - nämlich mit dem Ziel, den stehenden Menschen zum Liegen zu bringen und so wieder eine bessere Durchblutung des Gehirns zu ermöglichen.

Gut bekannt ist vor allem bei weiblichen Jugendlichen und jungen Damen die „orthostatische Dysregulation“. Hier kommt der Körper beim Aufstehen vom Sitzen oder Liegen mit dem Nachregulieren des Blutdruckes durch die Gefäße nicht schnell genug nach. Das Blut „versackt“ in den Venen und im Gehirn kommt zu wenig „Blutdruck“ an. Begünstigt wird dieser Mechanismus durch zu wenig Trinken.

Weitere Ursachen von Ohnmachtsanfällen können auch Herzerkrankungen und Herzrhythmusstörungen sein. Und sie können auch Symptome ganz anderer Erkrankungen wie Diabetes oder Krampfanfälle sein.

Was können Sie tun?

Auf alle Fälle ist zu klären, um welche Art eines Ohnmachtsanfalls es sich handelt. Am häufigsten sind die oben genannten „Reflexsynkopen“, oft in Verbindung mit nicht ausreichend schneller Regulation des Blutdruck und begünstigt von einer ungenügender Trinkmenge. Eine Herzerkrankung sollte ausgeschlossen werden. Die individuelle Handlungsempfehlung ergibt sich dann aus der Diagnose.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

Bald ist Schulanfang

Waren die Ferien schön? Viel Sonne getankt? Die Köpfe leer gemacht? Jetzt ist da viel Platz für Neues. Der erste Schultag steht vor der Tür.

Welche Neuigkeiten gibt es, welche Lehrer werden die Kinder bekommen? Vielleicht ist es eine neue Schule oder überhaupt der erste Schultag.

Mit einem guten Frühstück gestärkt kann es morgens losgehen! Kinder und Jugendliche sollten in jedem Falle vor der Schule frühstücken. Auch wenn sie meinen, sie haben keine Zeit dafür und gar keinen Hunger, zeigt sich häufig die fehlende Energiezufuhr in Unkonzentriertheit und Unruhe. Und bis zur ersten Pause ist es lang. Zusammengenommen sollten das erste und zweite Pausenbrot ungefähr ein Drittel der täglich benötigten Energie liefern. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit etwas Obst. Und natürlich darf die coole Trinkflasche auch nicht fehlen. Immer mehr Schulen richten Wasserstationen ein und erlauben auch das Trinken im Unterricht. Denn auch eine ungenügende Flüssigkeitszufuhr kann zu Unkonzentriertheit führen und manchmal zu Kopfschmerzen.

Wie kommt Ihr Kind in die neue Schule? Ist der Schulweg klar und sicher? Es ist häufig günstig, den Schulweg zusammen zu üben. Falls es schon mit dem Fahrrad in die Schule geht, ist natürlich der coole Fahrradhelm dabei. Leider gehören Kopfverletzungen immer noch zu den häufigsten Verletzungen bei Fahrradunfällen im Kindesalter.

Natürlich sollte der Schulranzen nicht zu schwer sein, eine Faustregel ist: Maximal  10% des Körpergewichtes. Und beim Packen gehören die schweren Bücher nahe an den Rücken. Das hilft der Wirbelsäule. Schicke Reflektoren erhöhen zusätzlich die Sicherheit im Straßenverkehr.

Die ersten Schultage sind aufregend. Viele Eindrücke sind zu verarbeiten. Die Kinder und Jugendlichen müssen lange sitzen und sich konzentrieren. Langfristig kann das auch im Kindes- und Jugendalter zu Verspannungen führen und manchmal auch zu Kopf- und Bauchschmerzen. Ein Besuch bei Ihrer Kinder- und Jugendärztin kann hier zur Abklärung hilfreich sein.

Genügend Ausgleich für das lange Sitzen und die Gehirngymnastik in der Schule ist wichtig. Nach der Schule nicht gleich wieder an den Schreibtisch setzen. Lieber mal nach draußen: Spiel und Sport (und der Schulsport reicht lange nicht) für den Körper und das Gehirn darf lüften. Dann können sich die Kinder und Jugendlichen viel besser auf die Hausaufgaben und den nächsten Schultag konzentrieren. Und sie haben wieder mehr Spaß am Lernen.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

Rückenschmerzen-schon im Kindesalter?

Rückenschmerzen im Kindes- und Jugendalter haben in den letzten Jahren sehr zugenommen. In der großen Studie zur Kindergesundheit des Robert-Koch-Instituts (KIGGS) gab etwa ein Drittel der 11 bis 17-Jährigen an, in den letzten drei Monaten Rückenschmerzen gehabt zu haben.

 Was ist die Ursache?

Wie bei den Erwachsenen haben die sitzenden Tätigkeiten auch bei Kindern und Jugendlichen stark zugenommen. Vormittags sitzen sie in der Schule und nachmittags zuhause vor dem Computer. Zwischendrin schleppen sie einen schweren Schulranzen hin und her. Und als Entspannung spielen sie am Smartphone, lesen oder sehen fern. Wenige der Kinder und Jugendlichen bewegen sich täglich eine Stunde, wie eigentlich empfohlen. Die Muskeln werden nicht ausreichend trainiert, und dazu gehören eben auch die kleinen und großen Muskeln des Rumpfes und des Rückens. Haltungsschwäche und im Extremfall auch Fehlstellungen der Wirbelsäule können die Folge sein. Verspannungen und Rückenschmerzen sind vorprogrammiert.

 Was tun?

Die deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) nimmt sich anlässlich des Tages der Rückengesundheit 2019 dieser Frage an. Sie empfiehlt:

Der Weg in die Schule sollte zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück gelegt werden.

Und nach der Schule oder der Kita sollen die Kinder raus und sich austoben. Fußballspielen, Fahrrad-, oder Inlineskater-fahren, Laufen, Schwimmen, Klettern, Tennis, Tanzen: Alles ist recht, um den Bewegungsmangel auszugleichen und die Muskulatur zu stärken. Hauptsache es macht Spaß! Wie schon erwähnt, eine Stunde körperliche Bewegung täglich, ist empfohlen. Auch den Eltern tut dies gut. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Vielleicht finden Sie eine gemeinsame sportliche Betätigung?

Die Zeiten für Fernseher/Computer/Smartphone sollten klar definiert und begrenzt werden. Vielleicht könnten Sie ein Wochenende ganz ohne Fernseher verbringen?

Gerade im Sommer finden sich doch bestimmt gute Alternativen.

Auch für die körperliche Koordination und die Konzentrationsfähigkeit ist Bewegung und Sport förderlich. Das ist schon vielfach in Studien gezeigt worden. Und nebenbei wird bei Ballspielen und Gemeinschaftsspielen zusätzlich die soziale Kompetenz gefördert.

Also: Ab nach draußen! Bewegung im Freien tut der ganzen Familie gut.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

 

Vitamin D: Woher? Wofür?

Vitamin D ist wichtig. Das ist klar. Aber was macht Vitamin D eigentlich?

Es ist wichtig für die Aufnahme und Verarbeitung von Calcium und Phosphor und entscheidend für einen stabilen Knochenaufbau und gesunde Zähne. Es trägt viel zu der normalen Entwicklung im Kindesalter bei. Nerven und Muskeln und auch viele Zell-und Stoffwechselfunktionen brauchen Vitamin D. Etwa 90% unseres Vitamin D-Bedarfs bilden wir beim Aufenthalt in der Sonne in der Haut. Die übrigen10% des Vitamin D nehmen wir über die Nahrung auf. Aber nur wenig Lebensmittel enthalten Vitamin D in nennenswerter Menge: Fetthaltiger Fisch, Leber, mit Vitamin D angereicherte Nahrungsmittel und Eigelb. Eine Reihe von Untersuchungen zeigen, dass die Versorgung von Vitamin D in allen Altersstufen oft nicht optimal ist, vor allem in den Wintermonaten.

Wie sieht ein Vitamin D Mangel aus?

Symptome sind bei Kindern unter anderem „weiche Knochen“ mit ausgeprägten X- und O-Beinen (die sogenannte Rachitis), eine motorische Entwicklungsverzögerung, verzögerter Zahndurchbruch, Muskelschmerzen und Ermüdbarkeit. Eine erhöhte Infektanfälligkeit kann die Folge eines Vitamin D Mangels sein.

Die große Studie zur Kinder- und Jugendgesundheit (KIGGS) zeigt, dass Kinder und Jugendliche in Deutschland etwa zwei Drittel Vitamin D-Werte unter dem Normbereich zeigen und im Durchschnitt deutlich weniger Vitamin D durch die Nahrung erhalten, als erwünscht.    

Was können wir dagegen tun?

Säuglinge sollen bis zum zweiten Frühsommer zusätzlich zur Nahrung Vitamin D erhalten. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, zwischen März und Oktober zwei- bis dreimal pro Woche Gesicht, Hände und Arme unbedeckt und ohne Sonnenschutz der Sonne auszusetzen (10-25 Minuten). Sonnenbrand sollten Sie dabei jedoch unbedingt vermeiden. Der Verzehr von Vitamin-D-haltigen Fischsorten 1-2/Woche ist wünschenswert. In Deutschland ist es aufgrund der Gefahr der Überdosierung grundsätzlich verboten, Lebensmittel mit Vitamin D anzureichern. Für mehrere Produkte (z. B. Margarine, Kinderquark, Orangensaft) gibt es jedoch eine Ausnahmegenehmigung. In Finnland beispielsweise werden verschiedene Milchprodukte und Brotaufstriche mit Vitamin D angereichert. Es ist jedoch unklar, ob dies zu einer ausreichenden Vitamin D Versorgung gerade in den Wintermonaten führt.

Also: Ab nach draußen! Bewegung im Freien tut der ganzen Familie gut.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert