Kopfschmerzen-nein danke!

Kopfschmerz ist doch eine Erkrankung der Erwachsenen, oder?

Tatsächlich kommen in den letzten Jahren deutlich mehr Kinder und Jugendliche wegen Kopfschmerzen in die Kinderarztpraxen. Im Vorschulalter sind es bis zu 20 Prozent der Kinder, in der Grundschule fast 50 Prozent.

Häufig ist der Kopfschmerz Beigabe zu Infekten. Erst kommt der Schnupfen, dann sind die Ohren, bei den größeren Kindern vielleicht auch die Nasennebenhöhlen betroffen (erst ab ungefähr dem 4. Lebensjahr bilden sich die Nasennebenhöhlen aus). Und das tut weh. Manchmal sitzt der Schmerz auch im Nacken. In diesem Falle sollten Sie in jedem Falle einen Arzt aufsuchen, da es sich, als seltene Ursache, um eine Gehirnhautentzündung handeln kann.  

Die älteren Kindern und v.a. die Jugendlichen kommen häufig „nur“ mit dem Symptom Kopfschmerzen in die Praxis. Sie stehen in der Schule unter Druck und verbringen viel Zeit am Computer und vor dem Fernseher und wenig draußen an der frischen Luft in Bewegung. Das führt zu Haltungsschwäche und Verspannungen und dies wiederum zu den sogenannten Spannungskopfschmerzen.

Auch falsches Essen und eine geringe Trinkmenge können Ursache für Kopfschmerzen sein. Wenn der Blutzuckerspiegel durch übermäßigen Genuss von schnellen Kohlenhydraten (gesüßte Getränke, fast food, Süßigkeiten) stark schwankt, kann der Kopf weh tun. Auch Schlafmangel kann zu Kopfschmerz führen.

Manche Kinder reagieren auf bestimmte Lebensmittel mit Kopfschmerzen. Hier lohnt es sich, ein Kopfschmerztagebuch zu führen. Oft führt schon die Vermeidung dieser Lebensmittel dazu, daß die Kopfschmerzen verschwinden oder zumindest weniger werden.

Was können Sie tun, um Ihrem Kind/Jugendlichen zu helfen? Bei leichten Kopfschmerzen hilft es oft schon, ein Glas Wasser zu trinken, oder besser zwei Gläser! Günstig ist auch, einen Spaziergang an der frischen Luft zu machen oder, im Falle einer Migräne, sich in einem abgedunkelten Raum etwas hinzulegen. Ein leichtes Schmerzmittel könnten Sie ebenfalls geben (Paracetamol oder Ibuprofen für Kinder wäre geeignet). Bei stärkeren Schmerzen und allen Kopfschmerzen, die länger als drei Tage dauern, sollten Sie Ihre Kinderärztin aufsuchen, um ernsthaftere Erkrankungen auszuschließen. Auch Kopfschmerzen, die über mehrere Wochen immer wieder kommen, sollten abgeklärt werden, um ihrem Kind/Jugendlichen die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

Medizinischer Hinweis: Mein Artikel bietet allgemeine Informationen und Ratschläge, ersetzt aber keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Symptomen oder spezifischen gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte direkt an mich, um einen persönlichen Beratungstermin zu vereinbaren.

Überall fliegen die Pollen

In den letzten Jahrzehnten hat die Anzahl der Kinder mit allergischen Erkrankungen leider erheblich zugenommen. Mittlerweile leidet fast jedes vierte Kind an einer Allergie. Die Augen jucken, sind rot und geschwollen. Die Nase läuft oder ist ständig verstopft. Manchmal kommt noch ein hartnäckiger Husten dazu. Auch Ausschläge, Bauchweh und Durchfall können von Allergien kommen.

Zunächst muss diagnostiziert werden, ob und welche Allergien vorliegen.

Und was können Sie dann tun?

Das Allergen oder die Allergene (das sind die Stoffe, die eine Allergie auslösen) weitestgehend zu vermeiden ist ein guter Ansatz. Bei bestimmten Allergenen (beispielsweise Tierhaare und Hasstaubmilben) ist die Vermeidung des Allergens besonders wichtig. Dadurch lässt sich oft schon eine gute Besserung der Beschwerden erreichen.

Bei anderen Allergenen, bei Pollen oder bei einer Insektengiftallergie, ist das schon schwieriger. Die Birke im Garten reagiert nun mal nicht auf Pollenflugverbot und die Wespen sind schwer erziehbar. Mit Medikamenten kann man die Symptome zwar lindern, aber gerade bei der Insektengiftallergie kann die Reaktion so schwer sein, dass die Patienten immer ein Notfallset im Falle eines Stiches mit sich führen müssen.

Die einzig ursächliche Behandlung ist die sogenannte Hyposensibilisierung. Hier wird über einen längeren Zeitraum in zunehmender Dosis dem Patienten das Allergen zugeführt, auf das er allergisch reagiert. Dadurch wird die Immunantwort des Körpers beeinflusst mit dem Ziel, die Symptome zu reduzieren. Zudem wird dadurch das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt. Neben der klassischen Hyposensibilisierung, bei der die Allergene gespritzt werden, gibt es inzwischen für viele Allergene die sublinguale Therapie. Bei dieser Form der Hyposensibilisierung wird das Allergen unter die Zunge genommen.

Grundsätzlich gilt: Die Beschwerden der Kinder in Verbindung mit den nachgewiesenen Allergien bestimmen die Vorgehensweise. Nur was wirklich zu Beeinträchtigung des Alltagslebens führt, ist es auch wert, behandelt zu werden. Dabei kommt es auf die Allergenkombination an: Einige Allergene können in der Behandlung zusammen gegeben werden. Und für immer mehr Allergene (z.B. Gräser) ist die Therapie in Tabletten- oder Tropfenform eine echte Alternative. Für beide Therapieformen gibt es gute Argumente. Lassen Sie sich individuell von Ihrer Kinderärztin beraten.  

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

Medizinischer Hinweis: Mein Artikel bietet allgemeine Informationen und Ratschläge, ersetzt aber keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Symptomen oder spezifischen gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte direkt an mich, um einen persönlichen Beratungstermin zu vereinbaren.

Jetlag nicht nur für Kinder: Schlafen auf Reisen

In den Urlaub fahren, das ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Der Anteil an Fernreisen hat in den letzten Jahren auch bei Familien stark zugenommen.  Erfahre Eltern wissen: Für einen gelungen Urlaub ist es wichtig, dass die Kinder sich wohlfühlen und dazu gehört auch ausreichend Schlaf. Das wiederum trifft nicht nur für die Kinder zu.

Das Schlafbedürfnis und die Art des Schlafes sind sehr vom Alter abhängig. So brauchen Säuglinge und Kleinkinder zwischen 11 und 17 Stunden Schlaf am Tag. Je kleiner die Kinder, desto mehr verteilen sie ihren Schlaf auf mehrere Portionen am Tag. Erst ab einem Alter von etwa drei Jahren fangen die Kinder an, auf den Mittagsschlaf zu verzichten. Kleine Säuglinge haben zudem noch nicht die gleiche Schlafarchitektur wie ältere Kinder und Erwachsene, sondern Phasen von „aktivem“ und „ruhigem“ Schlaf. 

Günstig ist es für die Erhaltung des Schlafrhythmus und damit für den Familienfrieden, lange Autofahrten so zu planen, dass sie in die normalen Schlafzeiten der Kinder fallen. Bei langen Flugreisen Richtung Osten bietet es sich an, nachts zu fliegen. Richtung Westen hingegen wären Flüge im Wachzustand und eine Ankunft am Abend zur Verminderung des Jetlags besser.

Warum kommt es überhaupt zum Jetlag?

Unsere „innere Uhr“ sagt uns, wann wir schlafen und wann wir wach sein sollen. Die größte Steuerinstanz ist hier der natürliche Tag/Nacht-Rhythmus der Umgebung. Fliegen wir nun über mehrere Zeitzonen hinweg, kann sich unser individueller Schlaf-Wach-Rhythmus nicht so schnell auf die geänderte „äußeren Uhr“ einstellen. Es kommt zu den bekannten Symptomen von Einschlafschwierigkeiten, nächtlichem Aufwachen, Tagesmüdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Auf eine Verlängerung des 24-Stunden-Rhythmus kann sich der Körper besser einstellen, als auf eine Verkürzung. Daher sind Flüge in den Westen oft einfacher zu tolerieren als nach Osten. Die wenigsten Probleme haben übrigens die kleinen Säuglinge. Wenn ihre sozialen Taktgeber wie Mahlzeiten, Einschlaf- und Familienrituale für sie da sind, können sie auch nach einem Langstreckenflug ohne Probleme einfach in ihrem Rhythmus weitermachen.

Für ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene ist es schwieriger, mit dem veränderten Tag-Nacht-Rhythmus fertig zu werden. Für Erwachsene ist zur Minderung des Jetlags die Behandlung mit Melatonin oder Koffein möglich, für Kinder und Jugendliche sind diese Medikamente jedoch nicht zugelassen. 

Verschiedene Strategien können die Zeitumstellung erleichtern:

Vor dem Abflug bereits schrittweise die Uhr auf die neue Zeitzone einstellen oder am Zielort kurzzeitig die „Heimatzeit“ beibehalten und dann nach und nach umstellen. Mittagsschläfchen sollten eher kurz gehalten werden. Viel Licht in den ersten Tagen nach der Ankunft hemmt die Ausschüttung von Melatonin und somit die Müdigkeit während des Tages.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

Medizinischer Hinweis: Mein Artikel bietet allgemeine Informationen und Ratschläge, ersetzt aber keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Symptomen oder spezifischen gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte direkt an mich, um einen persönlichen Beratungstermin zu vereinbaren.

Tollwut: Was ist das genau?

Die Tollwut war früher weltweit ein Problem. Glücklicherweise gelten heute viele Länder in Westeuropa laut WHO (World Health Organisation) als Tollwut-frei. In Deutschland wurde der letzte Tollwutfall 2007 gemeldet: Ein Mann verstarb nach seiner Rückkehr aus Marokko. Dort war er von einem Hund gebissen worden. Der letzte in Deutschland erworbene Fall von Tollwut liegt mehrere Jahrzehnte zurück. In Afrika und Asien sterben jedoch leider immer noch viele Menschen an dieser Erkrankung.

Tollwut wird durch Tiere übertragen. In Europa stellen vor allem infizierte Füchse und Fledermäuse, die größer Gefahr für den Menschen dar. Der Verursacher der Tollwut ist das Rabies-Virus. Es wird vor allen durch den Biss eines Tieres auf den Menschen übertragen. Oft sind es infizierte Haustiere, Hund oder Katze, die überraschend zubeißen und so die Infektion auf den Menschen übertragen. Die Zeit bis zum Ausbruch der Symptome kann sehr variieren. Je näher der Biss am Kopf erfolgte, umso schneller treten Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Fieber auf: Die erste Phase der Erkrankung. Danach kommt es zu neurologischen Beschwerden. Ein charakteristisches Symptom ist dabei die Angst vor Wasser. Es kommt zu Lähmungen, die unbehandelt in maximal 7 Tagen zum Tod führen.

Die größte Infektionsgefahr besteht im Augenblick bei Reisen in Ländern, in denen die Tollwut noch wütet. Beispielhaft sind hier das tropische Afrika, Thailand, Vietnam und Indien zu nennen. Aufklärung ist wichtig: Generell sollte man auf Reisen darauf verzichten, Tiere anzufassen, vor allem wenn sie krank erscheinen. Vor allem für Kinder sollte bei entsprechenden Reisen eine Impfung gegen Tollwut überlegt werden. Aufgrund ihrer Größe und ihrem Verhalten gegenüber Tieren sind sie besonders gefährdet. In Deutschland sollten Personen mit höherem Infektionsrisiko, wie Jäger und Forstpersonal oder Menschen, die einen engen Kontakt zu Fledermäusen haben, über eine Impfung nachdenken.

Wenn Sie oder Ihr Kind von einem Tollwut-verdächtigen Tier gebissen wurden, sollten Sie die Wunde sofort mit einer Seifenlösung mindestens für 15 Minuten reinigen und sobald als möglich ärztliche Hilfe suchen. Auch bei einem anderen Kontakt ihres Kindes mit einem verdächtigen Tier (Streicheln/Füttern, Ablecken von intakter Haut) oder Berühren eines Impfköders im Wald sollten Sie sich von Ihrer Kinderärztin beraten lassen. Je nach Risikoeinschätzung wird dann entschieden werden, welches Vorgehen notwendig ist. Ausdrücklich sei erwähnt, dass nach einem Tierbiss in verdächtigen Fällen auch nach einer prophylaktischen Impfung eine Tollwutbehandlung erfolgen muss. Glücklicherweise ist in vielen Ländern Europas und so auch in Deutschland durch eine großangelegte Behandlung der Füchse die Tollwut weitgehend verschwunden. Bei Reisen in Risikogebiete lohnt sich eine reisemedizinische Beratung, in der unter anderem geklärt wird, ob eine Tollwut-Impfung für das Reiseziel empfohlen ist. Gute Reise!

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

Was macht eigentlich die Schilddrüse?

Die Schilddrüse befindet sich etwas unterhalb vom Kehlkopf am Hals. Sie produziert  die Schilddrüsenhormone und braucht dazu eine ausreichende Versorgung mit Jod. Früher gab es bei Jodmangel häufig „Kröpfe“: Die Schilddrüse musste sich kompensatorisch vergrößern, um ausreichend Hormone bilden zu können. Das ist glücklicherweise sehr selten geworden.

Die Schilddrüsen-Hormone sind für vielfältige Funktionen im Körper sehr wichtig: Sie tragen entscheidend zum Wachstum des Nervengewebes des Neugeborenen bei. Auf die Darmfunktion und den gesamten Stoffwechsel, wie etwa die Fähigkeit Zucker zu verarbeiten, haben die Hormone großen Einfluss. Auch bei der Regulation des Herz-Kreislaufsystem und der Körpertemperatur sind die Schilddrüsenhormone essentiell.

Fehlen die Hormone, ist die normale geistige und körperliche Entwicklung stark beeinträchtigt. Deswegen wird schon kurz nach der Geburt im Neugeborenen-Screening untersucht, ob die Schilddrüse normal arbeitet. Ein sehr ruhiger Säugling, eine große Zunge, eine verlängerte Gelbsucht und immer kühle Hände und Füße können Ausdruck einer Unterfunktion sein. Seit Einführung des Screenings werden praktisch alle Säuglinge mit einer Schilddrüsen-Unterfunktion rechtzeitig diagnostiziert und können gut behandelt werden. Das ist beruhigend.

Eine zweite große Gruppe der Schilddrüsenerkrankungen findet sich zu Beginn der Pubertät. Hier kommen gehäuft autoimmune Erkrankungen, wie etwa die Hashimoto-Thyreoiditis, vor. Andere Schilddrüsenerkrankungen sind deutlich seltener. Die Hashimoto-Thyreoiditis betrifft vor allem Mädchen und kann, manchmal nach einer kurzen Überfunktion, zu einer Unterfunktion der Schilddrüse führen. Die Symptome treten oft langsam auf und sind dem normalen Pubertätsverlauf ähnlich: Gereiztheit, Müdigkeit und Veränderungen des Körpergewichts. Sie werden daher leicht übersehen.

Die Diagnostik umfasst in der Regel eine Blut- und eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse. Die Therapie bei einer Unterfunktion der Schilddrüse ist unkompliziert: Eine Tablette morgens vor dem Frühstück ist üblicherweise ausreichend. Kontrollen der Blutwerte sind wichtig, auch weil in einigen Fällen nach Ausheilen der Erkrankung keine medikamentöse Hormongabe mehr notwendig ist.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert