Ernährung

Brauchen unsere Kinder Superfood?

Superfood, Functional Food, Brainfood oder Beautyfood: was ist das überhaupt?

Nahrungsmittel werden in zunehmenden Maßen mit gesundheitsfördernden Eigenschaften beworben. Allerdings existieren keine rechtlich bindenden Definitionen dafür. Die angeblich positiven Effekte sind häufig nur im Tierversuch und unter nicht-realen Bedingungen (z.B. hohe Dosen) festgestellt worden. Daher sind die Aussagen, wie sich das Produkt positiv auf die Gesundheit auswirken soll, in der Regel sehr allgemein gehalten. Anders verhält es sich mit Lebensmitteln mit dem Zusatz „Novel Food“. Sie unterliegen einem Zulassungsverfahren und sind durch eine EU-Verordnung geschützt.

Problematisch ist auch die Herstellung von Superfood in anderen Ländern: Am Beispiel Chiasamen aus Bolivien lässt sich zeigen, dass lange Transportwege aus weit entfernt liegenden Ländern nicht nur zu einer schlechten CO2-Bilanz führen. Die erhöhte Nachfrage führt zudem zu mehr Einsatz von Pestiziden und Düngern. Erwähnt werden muss auch, dass sich die einheimische Bevölkerung dieses traditionelle Nahrungsmittel wegen der Verzehnfachung des Preises (2009-13) nicht mehr leisten konnte.

Die ideale Ernährung für Kinder ist gut bekannt (Stichwort „Ernährungspyramide“). Überwiegend pflanzlich sollen sich unsere Kinder und Jugendliche ernähren und nur wenig Zucker und Fett zu sich nehmen. Aber die Realität sieht anders aus: Obst und Gemüse wird zu wenig gegessen, dafür Fleisch um die Hälfte mehr als empfohlen, Süßigkeiten und ähnliches sogar zweieinhalb Mal so viel. Das könnte aber doch bedeuten, dass die Versorgung der Kinder und Jugendlichen mit Mikronährstoffen und Vitaminen nicht ausreicht, oder? Glücklicherweise zeigt sich jedoch in den neuesten Ernährungsstudien, dass lediglich beim Vitamin D, Jod und Folsäure bei Kindern und Jugendlichen ein gewisser Mangel nachzuweisen ist.

 

Also haben manche angereicherte Lebensmittel doch ihre Berechtigung?

Richtige Ernährung ist ein sehr komplexes Thema. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht den unkontrollierten Verzehr von Lebensmitteln mit angereicherten Pflanzenstoffen kritisch. Sie sieht die Gefahr einer Überdosierung und warnt vor noch unbekannten Risiken. In einer Umfrage bei Jugendlichen wird die Häufigkeit von Supplementeinnahmen bis zu sieben Mal in der Woche angegeben. Viel effektiver und einfacher wäre, die gewünschten Effekte mit einer ausgewogenen, vielfältigen Ernährung zu erreichen. Smoothies und buntes Müsli ist eine sehr gute Alternative zu Superfood. Mahlzeiten selbst zuzubereiten macht Spass und fördert das Verständnis für Lebensmittel und richtige Ernährung enorm. Und es schmeckt besser. Guten Appetit!

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

 

Übergewicht im Kindes- und Jugendalter

Weltweit hat die Häufigkeit von Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) von Kindern und Jugendlichen stark zugenommen. 1975 waren 0,7% aller Mädchen und 0,9% aller Jungen adipös, 2016 waren es schon 5,6% sowie 7,8%. In Deutschland sind die Zahlen seit einigen Jahren konstant (letzte Untersuchung aus dem Jahr 2017): Hier beträgt der Anteil der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen 15,4% und der Adipösen 6,3%.

Nach den Ursachen wird viel geforscht. Die biologische Programmierung, die bereits in der Schwangerschaft und in der frühen Kindheit erfolgt, scheint eine besondere Bedeutung zu haben. Aber auch im Jugendalter steigt das Risiko für Übergewicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt in einer jüngeren Stellungnahme zu dem Ergebnis, dass die bisherigen Strategien zur Bekämpfung des Übergewichts nicht ausreichend waren und dringend verstärkt werden müssen. Denn Dicksein ist nicht nur ein Schönheitsproblem. Übergewicht kann unter anderem zu Zuckerkrankheit und Herzkreislauferkrankungen führen (Bluthochdruck und Gefäßverkalkung). Und damit ist die Lebenserwartung im Erwachsenenalter deutlich geringer als bei Normalgewichtigen.

Stillen und eine ausgewogene Ernährung im Kleinkindesalter hat eine stark schützende Wirkung. Besonders die Zufuhr von Zucker sollte bei Kindern und Jugendlichen nicht mehr als 5% betragen. Besonders kritisch wird die hohe Energiedichte von immer mehr Lebensmitteln, vor allem aus der „fast food“-Ecke, gesehen. Zusammen mit dem Verzehr von zuckerhaltigen Getränken (Cola, Limo, Eistee, Fruchtsaft, Fruchtnektare usw.) ist das Adipositasrisiko dadurch stark erhöht. Im Mittel trinken 11-13 Jährige 450ml zuckerhaltige Getränke am Tag. Dies entspricht einer zusätzlichen Kalorienzufuhr von 180kcal. Wenn dies durch Wasser ersetzt werden könnte, würden die Kinder und Jugendlichen ein Kilogramm weniger in 39 Wochen zunehmen.  Also: Kinder sollen Wasser trinken!

Gleichzeitig wäre wichtig, ein großflächiges Programm zur Ernährungsschulung von Kindern, Eltern, Lehrern und Kinderbetreuern einzuführen. In Studien dazu wurde eindrücklich gezeigt, dass dadurch ein Gesundheits-förderndes Verhalten nachhaltig gelernt wird. Die WHO spricht sich auch für regulatorische Maßnahmen aus, wie eine Besteuerung von zuckerhaltigen Getränken und strikte Begrenzung der an Kinder gerichteten Werbung.

Was können wir tun? Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und klären Sie Ihre Kinder über gesunde Ernährung auf. Vielleicht kochen Sie gemeinsam mit den Kindern gesundes Essen? Als Getränke sind Wasser und ungesüßter Tee genau das Richtige. Und Bewegung ist wichtig! Die zunehmend sitzende Lebensweise führt zu weniger Kalorienverbrauch als früher. Bewegung und Sport tut jedem Alter gut.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

 

 

Folgenahrungen für Kleinkinder

Sogenannte Kindermilchgetränke werden als Alternative zur normalen Trinkmilch angeboten. Sie sollen die Versorgung von bestimmten Nährstoffen, die für das Alter von ein bis drei Jahren besonders wichtig sind, gewährleisten und einer überhöhten Zufuhr von Kuhmilcheiweiß vorbeugen. Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat dazu neue Empfehlungen herausgegeben.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit wies schon 2013 darauf hin, dass Kinder im Alter von ein bis drei Jahren zu wenig verschiedene Fettsäuren und Nährstoffe wie Eisen, Vitamin D und Jod zu sich nehmen. Gleichzeitig liegt die Eiweißzufuhr in diesem Alter deutlich zu hoch. Das ist wichtig, da in vielen Studien nachgewiesen wurde, dass eine zu hohe Eiweißzufuhr in diesem Alter mit einen stark erhöhten Risiko einhergeht, eine Adipositas im Schulalter zu entwickeln.

Bei Kleinkindern ist es möglicherweise die normale Trinkmilch (Kuhmilch), die dazu beiträgt. Vollmilch und fettreduzierte Kuhmilch haben einen hohen Eiweißanteil (20 bis 28% des Energiegehalts) im Vergleich etwa zu Frauenmilch nach 6 Monaten Stillzeit (5% des Energiegehalts). Daher sollte Kuhmilch erst ab Ende des ersten Lebensjahrs und auch nur in geringer Menge angeboten werden.

Um den Bdarf an bestimmten Fettsäuren, Eisen, Vitamin D, Jod und anderen Nährstoffen im Kleinkindesalter zu decken, empfiehlt die Ernährungskommission der DGKJ eine ausgewogene Ernährung mit regelmäßiger Verwendung von Pflanzenölen, Fisch und Fleisch. Es sollte jodiertes Speisesalz verwendet werden, bevorzugt auch angereichert mit Fluorid und Folsäure. Grundsätzlich hält die Kommission die Verwendung von speziellen Kindermilchen für nicht notwendig, da durch eine gezielte Auswahl von nährstoffreichen Lebensmittel der Bedarf für Kleinkindern gedeckt werden kann. Bei angemessener Verwendung können jedoch Kindermilchen möglicherweise einen Beitrag zur besseren Versorgung  beitragen. Die Kommission der DGKJ hat  daher aktualisierte Empfehlungen zur Zusammensetzung dieser Milchen herausgegeben. Sowieso

unterliegen sie den Bestimmungen für diätische Lebensmittel und sind somit streng überwacht, was Zusatzstoffe, Verunreinigungen, Rückständen von Pflanzenschutzmittel und vieles mehr angeht.

Grundsätzlich sollen Trinkmilchen nur im  Becher oder Tasse angeboten werden und nicht als überwiegende Nahrungsquellen dienen, sondern nur als Ergänzung zu ausgewogenen Mahlzeiten. Guten Appetit!

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

 

 

Vollkorn rettet Leben

Wir sollen uns gesund ernähren, klar. Dazu gehören Vollkornprodukte. Jedoch war bisher die Studienlage eher schwach, was die tatsächlich nachweisbaren Effekteangeht. Eine großangelegte Datenauswertung der vorhandenen Studien (eine sogenannte Meta-Analyse) aus verschiedenen Ländern ist nun vom British Medical Journal durchgeführt worden und gibt uns dazu mehr Auskunft:

Es wurde untersucht, ob der Verzehr von 90g Vollkornprodukten täglich gegenüber weniger bis gar keinem Vollkornkonsum eine Auswirkung auf die Gesundheit hat. Die Ergebnisse waren erstaunlich: Die Vollkornfreunde erkrankten deutlich weniger an Herzerkrankungen, Schlaganfällen und Krebserkrankungen. Auch die allgemeine Sterblichkeit war um 17% gesenkt, bei einem Verzehr von 200g Vollkornprodukten sogar um 28%.

Die positiven Wirkungen der Vollkornprodukte werden vor allem den Ballaststoffen zugeschrieben, die im Darm nicht verdaut werden. 100g Vollkornbrot enthält ungefähr 8g Ballaststoffe. Sie enthalten kaum Kalorien, sättigen gut und beugen dadurch Übergewicht vor. Im Vergleich zu Weißmehl senken Ballaststoffe den Zucker- und Insulingehalt im Blut nach dem Essen, was besonders günstig für ein langandauerndes Sättigungsgefühl ist. Gerade für Kinder ist dies wiederum gut für die Konzentration in der Schule. Ganz wichtig ist dabei aber auch, gerade bei den warmen Temperaturen, auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten. Sonst kann der Verzehr von zu großen Mengen von Ballaststoffen Verstopfung verursachen und zu Bauchschmerzen führen.

Nachgewiesen wurde auch, dass andere Erkrankungen wie Diabetes und Herzkreislauferkrankungen durch den Verzehr von Ballaststoffen seltener werden. Darüberhinaus entziehen sie dem Darm geschädigte Zellen und senken somit auch das Darmkrebsrisiko. Auch der Blutdruck und die Blutfette werden positiv beeinflusst.

Es lohnt sich also, auf eine gesunde Ernährung zu achten und täglich Vollkornprodukte zu verzehren: Die Gesellschaft für Ernährung empfiehlt einen Konsum von 30g Ballaststoffen am Tag.

In diesem Sinne: Guten Appetit!

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

Ostern, Eier und gesunde Ernährung

  Ostern steht vor der Tür-ein schlechter Zeitpunkt über gesunde Ernährung zu sprechen?

 

Die erste Frage ist gleich, was genau ist gesundes Essen. Wir verbinden damit meist mit frischen und natürlichen Lebensmitteln selbst zu kochen. Auch die aktuellen Empfehlungen für die Kinderernährung sehen dies so. Die Wirklichkeit sieht jedoch oft anders aus: Der gesellschaftliche Wandel und die Zeitverknappung in den Familien bringen viele Fertigprodukte auf den Tisch: Angefangen vom Früchtejoghurt aus dem Kühlregal bis hin zur Tiefkühlpizza.

Und dann sind da noch die Kinder selbst, die „gesund“ oft mit „schmeckt nicht“ gleichsetzen und überhaupt nicht dazu zu bewegen sind, frische Paprika zu essen, höchstens vielleicht Nudeln mit Tomatensoße, und das auch nur mit den Fingern. Aber Süßes? Jederzeit! Und erst die Ostereier....

 

Das Bevorzugen von Süßem und die Abneigung gegenüber grünem Gemüse und neuen Lebensmitteln sind den Kindern angeboren. Unseren Vorfahren half dies zu überleben und unverträgliche Nahrung zu meiden. Süßes war gleichzusetzen mit vielen, schnellen Kalorien, Grünes konnte potentiell giftig sein. Neue, unbekannte Nahrung wurde nur in kleinsten Bissen probiert.

Im Kindergartenalter ist dieses ursprüngliche Essverhalten am stärksten ausgeprägt. Die Kinder beobachten dann immer mehr ihre Ess-Umgebung und ahmen das Essverhalten nach.

 

Nicht vergessen darf man die Bedeutung der Getränke: In Limonade und Cola ist viel Zucker enthalten. Das ist jedem klar. Weniger bekannt ist, dass Apfelsaft etwa die gleiche Menge Energie in Form von Fruchtzucker liefert. Die Nationale Verzehrsstudie II der Bundesregierung sagt uns, dass in Deutschland mehr Kalorien in Form von Säften und Nektaren verzehrt werden als durch Limonaden. Also: Lieber Wasser und ungesüßten Tee anbieten. Auch die Zähne werden es Ihnen danken.

 

Klar ist, dass eine ausgewogene, gesunde Ernährung auch weiterhin die allgemeine Empfehlung für gesundes Wachstum und Entwicklung ist. Dazu gehört auch, dass es den Kinder vorgelebt und in einfachen Worten erklärt wird: Z.B. dass da doch noch die grüne Farbe auf dem Teller fehlt. Denn viele Farben sind gesund. Das weiß auch der Osterhase.

 

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert