Bewegung ist wichtig!

Sich viel bewegen ist wichtig. Das stimmt im Grunde für jedes Lebensalter.

Im Säuglingsalter sieht man es vielleicht am besten: Das Erlernen von motorischen Fähigkeiten verläuft mit einer rasanten Geschwindigkeit. Kaum schaut man nicht hin, hat sich das Kind auf der Wickelkommode umgedreht. Später lernen die Kinder Laufen, Radfahren, Ballspielen oder Skateboard fahren. Und jedes Mal sind sie mächtig stolz, wenn sie wieder etwas Neues geschafft haben. Bewegung stärkt ihr Selbstvertrauen. Und natürlich schult Bewegung Geschicklichkeit, Gleichgewicht und kräftigt die Muskeln.

Aber wie viel Bewegung braucht ein Kind?

Viel! Die Empfehlung ist: Mindestens eine Stunde am Tag. Ob dies allerdings ausreicht, ist wissenschaftlich noch nicht endgültig geklärt. Die große Gesundheitsstudie KiGGS (2007), zeigte, daß die eine Stunde Bewegung lediglich von jedem vierten Jungen und jedem sechsten Mädchen erreicht wird. Ein Viertel der befragten Grundschüler gab an, nur einmal in der Woche im Freien zu spielen.

Gerade Kinder und Jugendliche brauchen sportliche Betätigung, um die motorische Geschicklichkeit und Koordination zu trainieren. Hier schneiden die Kinder und Jugendlichen heute schlechter als früher ab. 

Was kann man tun?

Gehen Sie nach draußen! Die frische Luft tut gut und stärkt das Immunsystem. Auf dem Spielplatz trifft man andere Kinder und fördert damit nebenbei die soziale Kompetenz.  Krabbelgruppen und Kinderturnen im Sportverein sind ebenfalls gute Treffpunkte für Spiel und Spaß. Vielleicht möchte sich ihr Kind der Tennis- oder Fußballgruppe anschließen? Unterstützen Sie jede Neigung zum Sport. Sitzen müssen unsere Kinder und Jugendlichen in der Schule schon genug. Und Sport fördert nachweislich die Konzentrationsfähigkeit.

Gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Der Sportverein am Ort sucht bestimmt noch engagierte Mitglieder! Bewegung ist gut für die Gesundheit der ganzen Familie.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

Mein Kind will nicht sprechen, oder doch?

Wie Sprache entsteht und wie Kinder sprechen lernen, ist sehr spannend. Bereits ab dem Alter von drei Monaten beginnen Säuglinge Vokale zu bilden, die sie dann schon ab dem Alter von sechs Monaten zum gezielten Antworten benutzen. Silbenketten und Imitationen der Sprache folgen. Sehnsüchtig wird dann auf die ersten Worte gewartet. Was wird das Kind als erstes sagen: Mama oder Papa? Das beginnt im Alter von 12-18 Monaten. Und dann geht es los. Den Eltern wird ein Loch in den Bauch gefragt. Noch etwas ungeformt und grammatikalisch noch durchaus individuell, aber der Wissensdurst der Kinder ist unendlich. Kontinuierlich werden dann Mehrwortsätze, Mehrzahl und die Vergangenheit erlernt. Bis zum Alter von etwa fünf Jahren die Sprache fast fehlerfrei ist.  Das Sprechen ist es noch nicht unbedingt, gerade mit den Konsonanten „s“ und „sch“ tun sich manche Kinder noch schwer.

Was ist normal?

Ihre Kinderärztin wird bei den Vorsorgen immer auch die Sprachentwicklung prüfen. Die zeitliche Bandbreite der Sprachentwicklung ist groß und auch abhängig von der Umwelt. Die Ursachen für eine Störung der Sprachentwicklung sind vielfältig: Allen voran ist es wichtig, eine Hörstörung auszuschließen. Bereits direkt nach Geburt wird bereits der erste Test durchgeführt, um Probleme beim Hören frühzeitig zu erfassen. Danach ist ein Hörtest Bestandteil von fast allen Vorsorgen im Kindesalter.

Was gibt es für Arten der Sprachstörungen?

Als Sprachentwicklungsverzögerung wird ein verzögerter Beginn des Sprechens und des Verstehen von Sprache bezeichnet. Weiter kann es zu fehlerhafter Wort- und Satzbildung kommen. Häufig ist eine Störung der Artikulation: Manche Konsonanten oder Konsonantenverbindungen können den Kindern Schwierigkeiten machen. Daneben gibt es noch das Stottern oder Poltern und auch die Verweigerung des Sprechens. Dies gibt es allein als Verweigerung der Lautierung, aber auch als tiefgreifende Störung mit der Unfähigkeit zur Kommunikation.

In der Regel wird Ihre Kinderärztin je nach Art der Sprachstörung und Alter des Kindes eine gezielte Diagnostik und logopädische Behandlung mit Ihnen besprechen. Jedoch ist vieles im Kindesalter im Rahmen der Entwicklung noch normal. Wichtig ist es, eine notwendige Behandlung, so frühzeitig zu beginnen, dass zum Beginn der Schule die Sprache kein Problem mehr darstellt. Hier gibt es schließlich so viele andere, neue Dinge zu lernen.  

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert 

Und schon sind die Erkältungskrankheiten wieder da...

Infekte der Atemwege gehören zu den häufigsten Gründen, warum Kinder und Jugendliche ihre Kinderärztin aufsuchen. Oft geht es den Patienten schon innerhalb einer Woche wieder deutlich besser, aber in bis zu 20% der Fälle ist ein weiterer Besuch bei der Kinder- und Jugendärztin notwendig.

Die meisten Infekte der oberen Atemwege werden von Viren verursacht. Dazu gehören auch die Mittelohr- und Nasennebenhöhlenentzündungen. Diese sind oft sehr schmerzhaft. Hier ist die wichtigste Maßnahme eine gute Schmerzbekämpfung. Bei allen Atemwegsinfekten, auch bei der Mittelohrentzündung, kann in der Regel zunächst über zwei bis drei Tage der natürliche Verlauf mit unterstützenden Maßnahmen abgewartet werden. Dann sollten Sie erneut mit Ihrer Kinderärztin Kontakt aufnehmen und das weitere Vorgehen besprechen.

Vorsicht ist geboten bei Kindern mit chronischen Erkrankungen, bei anhaltendem hohen Fieber und Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Hier sollten Sie zeitnah Ihr Kind erneut dem Kinderarzt vorstellen. Möglicherweise ist dann doch ein Antibiotikum notwendig. In großen Studien wurde jedoch gezeigt, dass in Ländern (beispielsweise die Niederlande), in denen etwa die Mittelohrentzündungen nur selten mit einem Antibiotikum behandelt werden, die Komplikationsrate nicht höher liegt als in Ländern, in denen öfter ein Antibiotikum verabreicht wird.  

Was können Sie vorbeugend tun?

Viel Bewegung im Freien und ausreichend Schlaf stärkt das Immunsystem. Viren werden in der Regel durch Tröpfcheninfektion übertragen, daher freuen sie sich sehr über viele Menschen in geschlossenen Räumen. Schon lange ist bekannt, dass auch durch Händeschütteln viele Keime übertragen werden. Zum Schutz der Patienten wurde dies in vielen Arztpraxen abgeschafft. Achten Sie zudem auf eine gute Versorgung mit Vitamin D und eine ausgewogene Ernährung, so tragen Sie ganz wesentlich dazu bei, dass Ihre Familie für die kalte Jahreszeit gut gegen Infekte gerüstet ist.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

 

 

Was tun, wenn bei Schulkindern das Bett manchmal noch nass wird?

Gleich vorweg: In der Regel ist nächtliches Einnässen harmlos. Wenn wir nachts auf die Toilette müssen, wachen wir normalerweise auf. Bei den betroffenen Kindern ist dieser Aufwachmechanismus oft noch nicht ganz ausgereift, sie merken nicht, dass die Blase übervoll ist und das Bett wird nass. Manchmal ist auch die Blase noch zu klein oder das Hormon, dass für das Trockenbleiben in der Nacht zuständig ist (Antidiuretisches Hormon, kurz ADH), wird noch zu wenig produziert. Oft liegt es auch in der Familie: Sind die Eltern spät trocken geworden, kann das bei den Kindern ebenso sein. Einnässen (Harninkontinenz) ist übrigens nicht so selten: Bis zu 13 % aller Kinder, sind im Alter von 7 Jahren noch nicht trocken. Im Alter von 10 Jahren sind es noch etwa 5 % aller Kinder.

Zunächst sollten Sie Ihr Kind Ihrer Kinderärztin vorstellen: Je nach individueller Symptomatik sind die notwendigen Untersuchungen unterschiedlich. Zu Beginn wird in der Regel ein Ultraschall der Harnwege durchgeführt und ein ausführliches Protokoll erstellt. Wichtig ist die Aufklärung: Wie funktioniert die Blase und wie kommt es überhaupt zum Einnässen? Ganz häufig hilft gerade bei Schulkindern, darauf zu achten, dass sie mindestens dreiviertel der täglichen Flüssigkeitsmenge vor 17:00 Uhr trinken. Oft ist genau das Gegenteil der Fall. Einen Kalender zu führen, in den die trockenen Nächte vom Kind selbst eingetragen werden, trägt auch zur Motivation bei. Und: Bleiben Sie gelassen. Richten Sie am Abend bereits alles für die Nacht herund beziehen Sie Ihr Kind beim Säubern des Bettes mit ein. So kann es sich seine Selbständigkeit bewahren. In vielenFällen ist auch eine Klingelhose erfolgreich. Sie „klingelt“, wenn die Hose oder das Bett nass wird und das Kind wird aufgeweckt. Gleichwertig dazu ist ein Versuch mit Medikamenten. Jedoch muss hier sehr auf die Trinkmenge geachtet werden, was nicht immer einfach ist. Und nicht zu vergessen: Die jährliche Heilungsrate ohne eine Therapie beträgt 15%. Im Alter von 16-17 Jahren nässen nur noch etwa 1% aller Jugendlichen ein.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

Kopfabflachungen im Kindesalter

Zur Vermeidung des plötzlichen Kindstod wird seit 1992 empfohlen, Säuglinge zum Schlafen auf den Rücken zu lagern. Dies führte zu einem deutlichen Rückgang der Todesfälle und sollte unbedingt weiter so befolgt werden. Zeitgleich gab es mehr Berichte über leichte Kopfabflachungen im Säuglingsalter. Ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht bewiesen, erscheint jedoch wahrscheinlich. In einer Untersuchung zeigten etwa 16% der Kinder im Alter von 6 Wochen eine Kopfabflachung. Mit der Zeit nimmt die Häufigkeit ab: Im Alter von 2 Jahren waren nur noch rund 3% davon betroffen.

Wie ist das überhaupt möglich?

Bei Geburt sind die Schädelknochen noch leicht verformbar. Die sogenannten Schädelnähte, das sind die Stellen, an denen die Schädelknochen miteinander verbunden sind, sind noch nicht verknöchert. Das muss so sein, da sich die Schädelknochen an das enorme Wachstum des Gehirns anpassen. Denn das Gehirn verdoppelt etwa sein Volumen in den ersten 6-7 Lebensmonaten.

Die Rückenlagerung kann so zu einer einseitigen Abflachung des Hinterkopfes führen. Zusätzlich können die Lage im Mutterleib und durch die Geburt entstandene Schädel-Deformitäten eine Rolle spielen. Nach der Geburt kann es auch zu einer weiteren Abflachung kommen, wenn das Kind überwiegend auf seiner Lieblingsseite gefüttert wird oder des Kindes immer von der gleichen Seite angesprochen wird.

Was können Sie tun?

In der Regel wird Ihre Kinderärztin die Asymmetrie des Kopfs bei den Vorsorgen feststellen und verschiedene Untersuchungen durchführen. Wenn es keine zusätzlichen Risikofaktoren gibt, sollten Sie darauf zu achten, Ihr Kind von beiden Seiten gleichmäßig anzusprechen und auch für die  Fütterung regelmäßig die Seite zu wechseln. Präventiv wirkt auch die Bauchlage, jedoch immer unter Beobachtung (!). Je nach Literatur werden hier 3-30 Minuten am Tag angeraten.

Lagerungshilfen, wie bestimmte „Kopf-Kissen“, können zu einer Normalisierung der Kopfform führen. Allerdings ist hier unbedingt darauf hinzuweisen, dass für den unbeobachteten Schlaf desBabys das Bett frei von Kopfkissen sein soll. Oft ist dieUrsache der Kopfabflachung eine Einschränkung der Beweglichkeit im Kopf-Halsbereich sind. Hier ist eine Physiotherapie sehr wirksam und sinnvoll. Ist die Kopfabflachung erheblich, kann auch eine Helmtherapie überlegt werden. Dazu wird dem Kind ein Helm individuell angepasst, um den Kopf passiv zu formen. Der Helm muss 23 Stunden am Tag getragen werden und führt dann in der Regel zu einer schnellen Harmonisierung der Kopfform.

Die meisten Kopfabflachungen sind völlig harmlos und gut zu behandeln. Auch wenn die Rückenlage möglicherweise die Kopfasymmetrien begünstigt, ist es sehr wichtig, dass Sie weiter Ihr Kind auf dem Rücken lagern und damit der Empfehlung zur Vermeidung des plötzlichen Kindstodes folgen.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert