Klein, aber oho!

Eine der wichtigsten Aufgaben der Kinderärzte ist es, das Wachstum und die Entwicklung der Kinder zu begleiten und zu beobachten. Das Größen-, genauer gesagt, das Höhenwachstum ist eines der herausragendsten Merkmale. Bei allen U-Untersuchungen trägt Ihre Kinderärztin die Größe und das Gewicht Ihres Kindes in sogenannte Perzentilenkurven ein (das sind statistisch aufbereitete Wachstumskurven normaler Kinder). In den ersten zwei Jahren wachsen die Kinder enorm. Bis zu 24cm können sie in die Höhe wachsen. Danach lässt der Höhenspurt etwas nach - bis zum nächsten Wachstumsschub in der Pubertät.

Jedes Kind wächst entlang seiner individuellen Perzentilenkurve. In den ersten 24 Lebensmonaten scheint das Wachstum, wenn die gesundheitliche Versorgung gut ist, unabhängig von der Herkunft zu sein. Danach spielt die Genetik eine große Rolle. Sind die Eltern klein, bremst das Kind mit dem Wachstum bis es auf der den Eltern angepassten Perzentilenkurve angekommen ist. Die genetischen Zielgröße lässt sich mit dieser Formel errechnen: Größe der Mutter zur Größe des Vaters addieren, dies durch 2 dividieren und dann für Jungs 6,5cm dazurechnen und für Mädchen 6,5cm abziehen. Nach den neuesten Untersuchungen liegt jedoch die korrekte Zielgröße um 28% näher an der mittleren Größe der Bevölkerung (derzeit für Männer 179cm, für Frauen 165cm). Das liegt an dem sogenannten säkularen Trend, das heißt, die Kinder werden insgesamt etwas größer als ihre Eltern.

Es gibt viele Gründe, warum ein Kind eher klein ist oder langsamer wächst als seine Freunde. Es kann familiär begründet sein aber auch ein Hinweis auf eine chronische Erkrankung sein. Darmerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion oder andere hormonell Störungen können hier eine Rolle spielen. Am häufigsten ist eine Entwicklungsverzögerung, bei der das Wachstum im Kleinkindesalter sehr langsam und der Eintritt in die Pubertät verzögert ist. In der Regel wird die Zielgröße jedoch erreicht. Dies ist völlig normal.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

Gefährlicher Puppenwagenunfall

Ein ungewöhnlicher Unfall mit einem Puppenwagen wurde letztes Jahr bekannt: Ein zweieinhalb jähriger Junge kletterte unbeobachtet unten in einen faltbaren Puppenwagen über die Radachsen. Er muß dann aufgestanden und mit dem Wagen nach hinten umgefallen sein. Der Puppenwagen klappte zusammen und klemmte den Jungen zwischen Radachse und Boden der Liegefläche ein. Möglicherweise waren auch die Sicherungen des Faltmechanismus offen. Leider war es gerade der Hals, der von der Achse eingeklemmt wurde, so dass der Junge keine Luft mehr bekam und blau wurde. Der Vater fand den Jungen rechtzeitig, befreite ihn und beatmete ihn mehrmals Mund-zu-Mund. Darunter wachte der Junge schnell auf und fing wieder zu atmen und zu husten an. Glücklicherweise war schon beim Eintreffen des Notarztes das Kind weitgehend wieder unauffällig und auch in der Klinik fanden sich keine größeren Verletzungen. Nach zwei Tagen konnte der Junge gesund entlassen werden. Das ist noch einmal gut gegangen!

Selbstverständlich wurde der Unfallhergang untersucht. Spielzeuge unterliegen nach dem Produktsicherheitsgesetz dem technischen Verbraucherschutz auf Landesebene. Zusätzlich ist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für Unfälle mit Lebensmittel, Haushaltschemikalien und Chemikalienfreisetzung aus Kinderspielzeug zuständig. In diesem Falle wurden alle Sicherheitsvorschriften eingehalten. Trotzdem kam es zu diesem Unfall. Die Hersteller des Wagens wurden kontaktiert, um eine Lösung für zusätzliche Sicherungen zu erarbeiten.

Haben Sie so etwas ähnliches schon einmal erlebt? Wenn ja, sollten Sie dies bitte unbedingt melden. Es gibt keine Meldepflicht. Aber nur wenn Sie Unfälle melden und auf Sicherheitslücken beim Spielzeug hinweisen, können die zuständigen Behörden handeln und weitere Unfälle verhindert werden.

Was können Sie noch tun?

Es lohnt, sich einmal auf den Boden zu setzen und die Welt aus Kinderaugenhöhe anzuschauen. Was ist da alles interessant? Was können die kleinen Kinderhände erreichen (auch mittels eines Stuhles!) und herunterziehen? Sind alle Regale, Topfpflanzen und Treppen gesichert? Sind alle Steckdosen gesichert, auch die unter der Bank in der Ecke, die nie jemand benutzt? Haben Sie dafür gesorgt, dass Putzmittel, Medikamente, Küchengeräte und Werkzeuge für Kinder unerreichbar und verschlossen sind? Ist der Herd gesichert? Nicht alle Unfälle können wir verhindern, aber wir können das Risiko minimieren. Kinder sind sehr neugierig und nichts ist vor ihren unerschöpflichen Erkundungsdrang sicher. Glücklicherweise verlaufen die meisten Unfälle glimpflich.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

 

Vollkorn rettet Leben

Wir sollen uns gesund ernähren, klar. Dazu gehören Vollkornprodukte. Jedoch war bisher die Studienlage eher schwach, was die tatsächlich nachweisbaren Effekteangeht. Eine großangelegte Datenauswertung der vorhandenen Studien (eine sogenannte Meta-Analyse) aus verschiedenen Ländern ist nun vom British Medical Journal durchgeführt worden und gibt uns dazu mehr Auskunft:

Es wurde untersucht, ob der Verzehr von 90g Vollkornprodukten täglich gegenüber weniger bis gar keinem Vollkornkonsum eine Auswirkung auf die Gesundheit hat. Die Ergebnisse waren erstaunlich: Die Vollkornfreunde erkrankten deutlich weniger an Herzerkrankungen, Schlaganfällen und Krebserkrankungen. Auch die allgemeine Sterblichkeit war um 17% gesenkt, bei einem Verzehr von 200g Vollkornprodukten sogar um 28%.

Die positiven Wirkungen der Vollkornprodukte werden vor allem den Ballaststoffen zugeschrieben, die im Darm nicht verdaut werden. 100g Vollkornbrot enthält ungefähr 8g Ballaststoffe. Sie enthalten kaum Kalorien, sättigen gut und beugen dadurch Übergewicht vor. Im Vergleich zu Weißmehl senken Ballaststoffe den Zucker- und Insulingehalt im Blut nach dem Essen, was besonders günstig für ein langandauerndes Sättigungsgefühl ist. Gerade für Kinder ist dies wiederum gut für die Konzentration in der Schule. Ganz wichtig ist dabei aber auch, gerade bei den warmen Temperaturen, auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten. Sonst kann der Verzehr von zu großen Mengen von Ballaststoffen Verstopfung verursachen und zu Bauchschmerzen führen.

Nachgewiesen wurde auch, dass andere Erkrankungen wie Diabetes und Herzkreislauferkrankungen durch den Verzehr von Ballaststoffen seltener werden. Darüberhinaus entziehen sie dem Darm geschädigte Zellen und senken somit auch das Darmkrebsrisiko. Auch der Blutdruck und die Blutfette werden positiv beeinflusst.

Es lohnt sich also, auf eine gesunde Ernährung zu achten und täglich Vollkornprodukte zu verzehren: Die Gesellschaft für Ernährung empfiehlt einen Konsum von 30g Ballaststoffen am Tag.

In diesem Sinne: Guten Appetit!

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

Harnwegsinfektionen im Kindesalter

Blasenentzündungen können sehr schmerzhaft und unangenehm sein. Wenn ihr Kind ständig auf die Toilette läuft und über Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen klagt, ist es Zeit, Ihre Kinderärztin aufzusuchen. Mädchen sind fünfmal häufiger betroffen als Jungs und je jünger die Kinder sind, desto schwieriger ist die Diagnose. Kommt Fieber dazu, muss auch an eine Nierenbeteiligung gedacht werden. Gerade bei den ganz kleinen Patienten kann es notwendig sein, die Behandlung von schweren Harnwegsinfektionen im Krankenhaus durchzuführen. Danach sind dann oft weitere Untersuchungen erforderlich, um auszuschließen, ob angeborene Fehlbildungen an den Nieren, der Blase oder an den Harnwegen vorliegen und für die Infektion verantwortlich sind. Beispielsweise kann eine Blasenentleerungsstörung ein zusätzlicher Risikofaktor sein.

Wichtig ist eine sorgfältige Aufklärung über Blasen-, aber auch Stuhlentleerung, über Hygienemaßnahmen und tägliche Trinkmengen. Oft lässt sich damit schon eine Verbesserung erreichen. Mit einem erneuten Harnwegsinfekt muss in etwa einem Drittel der Fälle in den ersten zwei bis drei Monaten nach dem ersten gerechnet werden. Kommt es immer wieder zu erneuten, auch fieberhaften Infektionen, muss nach sorgfältigem Abwägen überlegt werden, ob nicht eine prophylaktische Gabe eines niedrig dosierten Antibiotikum sinnvoll ist, um die Nieren zu schützen. Zunehmend kritisch wird dabei auch  die Wirkung der antibiotischen Prophylaxe auf das Mikrobiom (das ist die Gesamtheit der Bakterien im Darm) gesehen.

Was können Sie zusätzlich tun?

Cranberrysaft soll durch den Wirkstoff Proanthocyanidin den Effekt haben, dass sich die Bakterien schwerer tun, an den Harnwegen anzuhaften. Der gleiche Wirkstoff ist auch in Heidel- und Preiselbeeren enthalten. Ein weiteres Hausmittel ist Hagebuttentee. Er enthält viel Vitamin C und soll durch das Ansäuern des Harns ebenfalls einer Infektion entgegenwirken.

In jedem Falle ist es wichtig, viel zu trinken, um die Bakterien quasi auszuspülen und ihnen keine Gelegenheit zu geben, sich im Körper sehr zu vermehren.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

Herzliche Grüße, Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

Warum Schlafen auf dem Rücken im ersten Lebensjahr so wichtig ist

Der plötzliche Kindstod (englisch „sudden infant death syndrome“, kurz SIDS genannt) istweiterhin Gegenstand weltweiter Forschung. 2014 sind in Deutschland immer noch 120 Säuglinge daran verstorben. Am häufigsten ereignet sich der plötzliche Kindstod im 2. bis 4. Lebensmonat. In den aktuellen Untersuchungen zeigt sich jetzt, dass es einen neuen, zweiten Häufigkeitsgipfel unmittelbar nach Geburt gibt. Das Kind liegt dann oft in Bauchlage auf der Mutter und das kann zu Überwärmung und zur Verlegung der Atemwege führen. Ebenso wichtig sind die „anscheinend lebensbedrohlichen Ereignisse“: Damit sind Kinder im ersten Lebensjahr gemeint, die beinahe verstorben sind und bei denen keine andere Ursache für diese Zustände gefunden werden. Im Augenblick geht man davon aus, dass etwa 0,6-4 von 1000 normalen Säuglingen davon betroffen sind.

Wie kommt es überhaupt zu diesen Ereignissen? Dies ist immer noch nicht abschließend geklärt. Die akzeptierteste Hypothese ist, dass immer drei Faktoren zusammen kommen: Etwa Schlafen in Bauchlage, Rauchen im Schlafzimmer und eben das kritische Alter im ersten Lebensjahr.

Sehr genau werden die Kinder untersucht, die ein „anscheinend lebensbedrohliches Ereignis“  durchmachten: Gibt es doch eine Ursache, die behandelt werden kann?  Infektionen, Herzrhythmusstörungen oder Stoffwechseldefekte können eine Rolle spielen. In jedem Fall wird nach Entlassung aus dem Krankenhaus eine Monitorüberwachung verordnet, da in etwa 10% der Fälle ein weiteres Ereignis in den ersten Tagen bis Wochen nach dem ersten Ereignis auftreten kann.  

Was können Sie präventiv tun?

Für einen sicheren Babyschlaf im ersten Lebensjahr wird empfohlen:

Schlafen in Rückenlage unter Verwendung einer festen Unterlage. Vermeiden von jeglicher Bedeckung des Kopfes, z.B. auch durch Verwendung eines Schlafsacks.

Schlafen im elterlichen Schlafzimmer im eigenen Bett.

Stillen, möglicherweise Verwendung eines Schnullers.

Rauchfreie Umgebung in der Schwangerschaft und danach.

Vermeidung von Überwärmung.

Durch intensive Aufklärung und Einhalten dieser Empfehlungen sind die Fälle des plötzlichen Kindstods glücklicherweise stark zurückgegangen.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert