Reanimation

Gefährlicher Puppenwagenunfall

Ein ungewöhnlicher Unfall mit einem Puppenwagen wurde letztes Jahr bekannt: Ein zweieinhalb jähriger Junge kletterte unbeobachtet unten in einen faltbaren Puppenwagen über die Radachsen. Er muß dann aufgestanden und mit dem Wagen nach hinten umgefallen sein. Der Puppenwagen klappte zusammen und klemmte den Jungen zwischen Radachse und Boden der Liegefläche ein. Möglicherweise waren auch die Sicherungen des Faltmechanismus offen. Leider war es gerade der Hals, der von der Achse eingeklemmt wurde, so dass der Junge keine Luft mehr bekam und blau wurde. Der Vater fand den Jungen rechtzeitig, befreite ihn und beatmete ihn mehrmals Mund-zu-Mund. Darunter wachte der Junge schnell auf und fing wieder zu atmen und zu husten an. Glücklicherweise war schon beim Eintreffen des Notarztes das Kind weitgehend wieder unauffällig und auch in der Klinik fanden sich keine größeren Verletzungen. Nach zwei Tagen konnte der Junge gesund entlassen werden. Das ist noch einmal gut gegangen!

Selbstverständlich wurde der Unfallhergang untersucht. Spielzeuge unterliegen nach dem Produktsicherheitsgesetz dem technischen Verbraucherschutz auf Landesebene. Zusätzlich ist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für Unfälle mit Lebensmittel, Haushaltschemikalien und Chemikalienfreisetzung aus Kinderspielzeug zuständig. In diesem Falle wurden alle Sicherheitsvorschriften eingehalten. Trotzdem kam es zu diesem Unfall. Die Hersteller des Wagens wurden kontaktiert, um eine Lösung für zusätzliche Sicherungen zu erarbeiten.

Haben Sie so etwas ähnliches schon einmal erlebt? Wenn ja, sollten Sie dies bitte unbedingt melden. Es gibt keine Meldepflicht. Aber nur wenn Sie Unfälle melden und auf Sicherheitslücken beim Spielzeug hinweisen, können die zuständigen Behörden handeln und weitere Unfälle verhindert werden.

Was können Sie noch tun?

Es lohnt, sich einmal auf den Boden zu setzen und die Welt aus Kinderaugenhöhe anzuschauen. Was ist da alles interessant? Was können die kleinen Kinderhände erreichen (auch mittels eines Stuhles!) und herunterziehen? Sind alle Regale, Topfpflanzen und Treppen gesichert? Sind alle Steckdosen gesichert, auch die unter der Bank in der Ecke, die nie jemand benutzt? Haben Sie dafür gesorgt, dass Putzmittel, Medikamente, Küchengeräte und Werkzeuge für Kinder unerreichbar und verschlossen sind? Ist der Herd gesichert? Nicht alle Unfälle können wir verhindern, aber wir können das Risiko minimieren. Kinder sind sehr neugierig und nichts ist vor ihren unerschöpflichen Erkundungsdrang sicher. Glücklicherweise verlaufen die meisten Unfälle glimpflich.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert