Keuchhusten gilt eigentlich als Kinderkrankheit. Jedoch haben die neuesten Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts gezeigt, dass inzwischen 60% der Erkrankungen im Jugendlichen- und Erwachsenenalter vorkommt. Seit 2013 ist die Erkrankung meldepflichtig. Im Jahr 2024 wurden mit 30 Erkrankungen auf 100000 Einwohner die bisher höchsten Zahlen gemeldet.
Keuchhusten (oder Pertussis) ist eine Erkrankung der Atemwege, die durch das Bakterium Bordetella pertussis und Parapertussis verursacht wird. Der Keuchhusten wird durch Tröpfchen übertragen und ist sehr ansteckend für ungeimpfte Kinder und Erwachsene. Eine Keuchhusten-Infektion hinterlässt keine lebenslange Immunität. Neuerkrankungen wurden 3-20 Jahre nach durchgemachter Infektion beobachtet. Leider gilt dies auch für die Impfung. Bereits 2-5 Jahre nach Impfung mit dem derzeit für Kinder zugelassenen azellulären Impfstoff beginnt der Impfschutz nachzulassen. Eine Erkrankung mit Pertussis verläuft aber nach Impfung in der Regel wesentlich milder. Die Symptome des echten Keuchhustens variieren stark und sind vor allem vom Alter und dem Impfstatus abhängig: Von einer ganz leichten, fast unbemerkten Hustenerkrankung bis hin zum typischen Keuchhusten mit schweren Hustenattackenüber sechs Wochen ist alles möglich. Zu den häufigsten Komplikationen gehören Lungenentzündungen, gefolgt von Mittelohr- und Nasennebenhöhlenentzündungen. Eine seltene, schwerwiegende Komplikation des Keuchhustens ist die Verstopfung der kleinsten Gefäße, etwa in der Lunge oder in der Niere, durch die Bildung einer riesigen Menge weißer Blutkörperchen (Leukozyten).
Am schwersten von einer Keuchhusten-Infektion sind Neugeborene und Säuglinge betroffen. Sie haben das höchste Risiko, Komplikationen zu entwickeln und müssen häufig im Krankenhaus behandelt werden. Gleichzeitig ist vor allem bei Neugeborenen die Diagnose oft schwierig, da sie anfangs meist überhaupt nicht husten, aber sehr lange Atempausen machen. Bei etwa 1% der Säuglinge unter 2 Monaten ist die Erkrankung lebensbedrohlich.
Diagnostiziert wird der Keuchhusten durch einen Abstrich aus dem Nasen-Rachenraum mit einer sogenannten PCR-Untersuchung.
Bei der Behandlung des Keuchhustens kommen Antibiotika zur Anwendung, die die Krankheitsdauer verkürzen können. Zudem sind erkrankte Personen, je nach Antibiotikum, nach drei oder 5 Tagen nicht mehr für die Umgebung ansteckend und können somit wieder die Schule oder den Kindergarten besuchen. Unbehandelt können Erkrankte den Keuchhusten bis zu 21 Tagen übertragen.
Die größte Gefahr der Ansteckung für junge Säuglinge kommt von den Personen des gleichen Haushalts (Geschwister und Erwachsene). Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) neben dem regulären Impfkalender die Keuchhusten-Impfung für Frauen in der Schwangerschaft und für Personen in der Umgebung von Säuglingen.
Neuartige Impfstoffe, die eine bessere und vor allem längere Wirksamkeit bieten, befinden sich in der Entwicklung.
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Herzliche Grüße,
Ihre Kinderärztin Dr. Anette Meidert
