Nach dem letzten milden Winter sind die Zecken früh aktiv geworden. Und es sind bereits viele zu finden.
Die Natur lädt zu Spaziergängen und Wanderungen ein. Die Zecken leben vor allem im hohen Gras und in bodennahen Büschen. Günstig ist es, vor allem bei Kindern, die gesamte Haut durch entsprechende Kleidung zu bedecken und so vor einem Zeckenstich zu schützen.
In Deutschland werden von Zecken vor allem zwei Krankheitserreger übertragen: Borrelien und FSME-Viren. FSME ist die „Frühsommer-Meningoenzephalitis“.
Bei einem Zeckenstich gelangen Borrelien frühestens nach 10 Stunden in den Menschen, das FSME-Virus dagegen sofort. Daher lohnt es unbedingt, nach jedem Spaziergang sich selbst und die Kinder gut auf Zecken zu untersuchen. Die Zecken nisten sich gerne in weicher Haut und in Falten ein (hinter den Ohren, Nabel, Kniekehlen).
In den vergangenen Jahren wurde mit breit angelegten Studien untersucht, welche Zeckenarten sich bei uns in Deutschland verbreitet haben. Verschiedene tropische Zecken wurden gesichtet, die häufigste Zeckenart bei uns ist jedoch weiterhin der „gemeine Holzbock“.
Bei der Übertragung von FSME-Viren kommt es bis zu einem Drittel der Infizierten zu Symptomen. Die typische Erkrankung verläuft in zwei Phasen: Zuerst treten Infekt-Zeichen wie Kopfschmerzen und Fieber etwa 7-14 Tagen nach dem Zeckenstich auf. In bis zu 30% der Fälle kann es dann nach einem kurzen symptomfreien Intervall zu dem schweren Krankheitsbild der Gehirn- und Gehirnhautentzündung kommen. Es können Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindel, Nackensteifigkeit, Lähmungen, Bewußsteinsstörungen bis hin zur Bewußtlosigkeit auftreten. Meist heilt die Erkrankung danach aus. Doch etwa 1-2 % dieser Patienten sterben daran oder werden zum Pflegefall. Das Risiko, die Krankheit nicht oder nur mit Folgeschäden zu überleben ist aus unbekannten Gründen für Erwachsene größer als für Kinder, das bedeutet Kinder haben eine größere Chance die FSME unbeschadet zu überstehen.
Borrelien werden in ganz Deutschland von Zecken übertragen. Man geht von einer Erkrankungshäufigkeit von 0,3-1,4% aus. Genaue Zahlen stehen nicht zur Verfügung. Es wird jedoch von einer deutlich höheren asymptomatischen Infektionsrate ausgegangen, da etwa jede dritte Zecke mit Borrelien infiziert ist. Symptome einer ausgebrochenen Borreliose sind Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Unbehandelt können neurologische Probleme und Gelenksentzündungen folgen.
Bei der Entfernung der Zecke sollte ein Drücken oder Quetschen der Zecke möglichst vermieden werden. Am besten gelingt dies mit einer speziellen Zeckenzange oder –karte. Auf keinen Fall sollten die Zecken vor der Entfernung mit Kleber, Öl oder anderen Mitteln abgetötet werden, da die Möglichkeit besteht, daß eine so behandelte Zecke im Todeskampf ihren infektiösen Darminhalt oder Speichel in die Haut abgibt. Unter Umständen erfolgt dadurch erst die Infektion. Bleiben nach der Entfernung der Zecke noch Anteile in der Haut, sind diese als nicht infektiös im Sinne einer FSME-Erkrankung oder einer Borreliose zu werten, können jedoch zu örtlichen Entzündungen der Haut führen.
Nach einem Zeckenstich ist es wichtig, die Haut um den Zeckenstich für drei Wochen gut zu beobachten. Für eine Borrelien-Infektion spricht die sogenannte „Wanderröte“. Es zeigt sich eine rundliche Rötung, die sich weiter ausbreitet und zentral abblasst, also eher zum Kreis wird. Sehen Sie eine solche Wanderröte, dann sollten Sie umgehend Ihre Kinderärztin aufsuchen. Eine Therapie ist notwendig, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Gegen Borrelien gibt es (noch) keine Impfung. Gegen die FSME stehen verschiedene Impfstoffe zur Verfügung.
Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.
Herzliche Grüße,
