Warum nehmen Allergien zu?

Allergien und sogenannte atopische Erkrankungen nehmen weltweit zu und können in jedem Lebensalter neu auftreten. Mit atopischen Erkrankungen sind Asthma bronchiale, der allergische Schnupfen, Nahrungsmittelallergien und das sogenannte atopische Ekzem (früher: Neurodermitis) gemeint. In Deutschland hat nach neueren Daten etwa die Hälfte der Bevölkerung ein Risiko, eine allergische Erkrankung zu entwickeln. Allergischer Schnupfen und Asthma sind am häufigsten vertreten: Etwa 15% der Erwachsenen und 10% der Kinder leiden unter Heuschnupfen, - und 8% der Erwachsenen und 4% der Kinder unter Asthma bronchiale.

Woher kommen Allergien?

Schon lange ist klar, dass die Gene eine Rolle spielen. Genauso klar ist aber auch, dass nicht nur ein einzelnes Gen für Allergien zuständig ist und dass die Umwelt einen erheblichen Einfluss auf die Aktivität dieser Gene hat. Die Verbesserung der Hygiene und die Zunahme der Industrialisierung im letzten Jahrhundert brachten einen Anstieg der allergischen Erkrankungen, insbesondere des Asthmas mit sich. Die Ernährung hat hier einen wichtigen Anteil und das Mikrobiom (das ist die Bakteriengemeinschaft im Darm) spielt eine noch lange nicht gut verstandene Rolle bei der Entstehung von Zivilisationskrankheiten, eben auch von Allergien. Günstig für die Gesundheit allgemein scheint eine große Keimvielfalt im Darm zu sein. Diese wird bereits durch eine normale Geburt beim Kind gefördert und von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Sicherlich haben Ernährung, aber auch Bewegung, Stress, Übergewicht und verschiedene Erkrankungen Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Darmbesiedelung.

Was können Sie tun?

Schon vor der Geburt wird das Immunsystem der Kinder geprägt: Eine fischreiche, ausgewogene Ernährung der Mutter scheint das Allergierisiko des Kindes zu senken. Eine allergenarme Ernährung hat dagegen keinen Effekt.

Nach der Geburt sollten alle Kinder in den ersten 4 Monaten ausschließlich gestillt werden. Ab dem vollendeten 4. Lebensmonat soll Beikost eingeführt werden, eine verzögerte Einführung erhöht das Risiko für Allergien. Exposition mit Tabakrauch, anderen Luftschadstoffe und Schimmel in Innenräumen erhöht das Allergierisiko und sollte unbedingt vermieden werden.

Ausreichende Bewegung, ausgewogene Ernährung und angemessene Sonnenexposition zur Bildung von Vitamin D scheinen positive Effekte auf die Wechselwirkungen der Umwelt auf die Gene, das Mikrobiom und letztendlich damit auch auf Entwicklung von Allergien und anderen Erkrankungen der industrialisierten Gesellschaft zu haben.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

Vegetarische Ernährung – auch für Kinder?

In großen Studien gaben 11% der Erwachsenen an, Vegetarier  zu sein. Kinder wurden zu 3,4% als Vegetarier bezeichnet. Eine gesunde Ernährung im Kindesalter soll genügend Energie und alle notwendigen Nährstoffe bereitstellen, um eine möglichst gute geistige und körperliche Entwicklung zu ermöglichen. Die deutschen Ernährungsempfehlungen für das erste Lebensjahr und die anschließende Mischkost für das Kleinkindesalter haben sich in Europa als beispielhaft etabliert. Kritisch bleiben auch hier einige wenige Nährstoffe, v.a. in bestimmten Altersgruppen. So haben Säuglinge im zweiten Lebenshalbjahr - durch die besondere Dynamik des Eisenstoffwechsels in diesem Alter - und weibliche Jugendliche durch die Menstruation ein höheres Risiko, unzureichend mit Eisen versorgt zu sein. Für Vitamin D und Jod besteht das Risiko einer Mangelversorgung bei allen Kinder und Jugendlichen.

Wie steht es nun bei Ernährungsformen, die auf bestimmte Nährstoffe verzichten?

Eisen kann der Körper aus verschiedenen Nahrungsmitteln gewinnen. Jedoch ist Eisen nicht gleich Eisen. So ist der absolute Eisengehalt in Fleisch zwar geringer als in Getreiden und Hülsenfrüchten, aber viel besser verwertbar. Um die Aufnahme im Darm zu erleichtern, ist der gleichzeitige Verzehr von Vitamin C-haltigen Nahrungsmitteln hilfreich. Für die Versorgung mit Jod ist der Verzicht auf Fisch ungünstig. Allerdings können Milch und Jodsalz ebenfalls viel Jod liefern.

Bei streng veganer Ernährung ist es noch schwieriger, eine ausgewogene Ernährung für Kinder zu gewährleisten. Hier ist auf die ausreichende Versorgung von vielen Mikronährstoffen zu achten, die für eine normale Entwicklung wichtig sind. Beispielhaft sei hier unter vielen anderen das Vitamin B12 genannt.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Nährstoffgruppen von der Ernährung ausgeschlossen sind, desto größer ist das Risiko des Nährstoffmangels.

Sehr wichtig ist es, zunächst festzustellen, welche Ernährungsform denn genau praktiziert wird und wo mögliche Nährstoffdefizite für die Kinder und Jugendlichen entstehen können. Eine individuelle Beratung bei Ihrer Kinderärztin, möglicherweise auch gestützt durch Laborwerte, kann Klarheit bringen.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin  Dr. med. Anette Meidert

Und schon wieder kratzt der Hals...

Die Infektzeit ist bereits in vollem Gange. Husten und Schnupfen und vor allem Halsweh und Schluckbeschwerden sind gerade an der Tagesordnung. Manchmal kommt auch Heiserkeit dazu. Sich anzustecken ist einfach: Mit Beginn des kalten und regnerischen Wetters halten sich Kinder und Erwachsene wieder viel drinnen auf. Eine Übertragung der Krankheitserreger durch Tröpfcheninfektion, also beim Niesen, Husten oder Sprechen, ist dann schnell geschehen.

Die meisten Halsentzündungen sind durch Viren verursacht und klingen nach etwa 5 Tagen wieder ab. Steigt das Fieber anhaltend über 38,5°C und kommt es zu ausgeprägten und schmerzhaften Lymphknotenschwellungen, können auch Bakterien die Ursache der Halsschmerzen sein. Vielleicht liegt eine Streptokokken-Infektion vor? Ihre Kinderärztin kann durch einen Schnelltest die Frage beantworten. Und je nachdem, wie es Ihrem Kind geht und die Krankheit verläuft, ist dann möglicherweise eine Behandlung mit einem Antibiotikum notwendig. Aber auch virale Erkrankungen können zu schweren Krankheitsverläufen führen. Zum Beispiel das Pfeiffersche Drüsenfieber, auch infektiöse Mononukleose genannt, sucht gerne die Teenager heim und kann manchmal auch ein längerfristiges Erschöpfungssyndrom verursachen. Sehr wichtig ist hier, sich zu schonen und keinen Sport zu betreiben. Komplikationen sind bei Rachenentzündungen insgesamt glücklicherweise selten. Klagt Ihr Kind über Atembeschwerden, eine schmerzhafte, einseitige Halsschwellung oder über ein schweres Krankheitsgefühl, sollten Sie auf alle Fälle Ihre Kinderärztin aufsuchen.

Was können Sie tun?

Oft hilft gegen Halsschmerzen schon Gurgeln mit Sprudel- oder Salzwasser oder Salbeitee. Zusätze zum Gurgeln auf chemischer oder pflanzlicher Basis gibt es vielfältig. Sehr wichtig ist, auf reichliches Trinken zu achten, unter anderem deswegen, da viel Speichelfluß lindernd auf die Beschwerden wirkt. Wenn Ihr Kind alt genug ist, sind auch Lutschbonbons geeignet. Sonst steht Ihnen noch Ibuprofen und Paracetamol zur Bekämpfung der Schmerzen zur Verfügung.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin  Dr. med. Anette Meidert

Pflanzliche Arzneimittel bei Kindern

Im medizinischen Fachjargon wird die Anwendung von Arzneipflanzen Phytotherapie genannt. Darunter versteht man ein breites Spektrum von pflanzlichen Tees, über Ayurveda-Arzneimittel, orthomolekularer Medizin bis hin zu traditioneller chinesischer Medizin und vielem mehr. Viele moderne Arzneimittel haben ihren Ursprung in der Phytotherapie, eine der ältesten Therapieformen weltweit. Einige in der Apotheke frei verkäuflichen pflanzlichen Arzneimittel unterliegen für die Zulassung den gleichen Bestimmungen wie synthetisch-künstliche, jedoch gibt es eine Vielzahl von pflanzlichen Präparaten, die zwar einen Unbedenklichkeitsnachweis für die Verwendung haben, deren Wirksamkeit aber nicht bewiesen ist.  Dabei können Pflanzen, Pflanzenteile oder –extrakte durchaus eine sehr starke Wirkung haben: Der Fingerhut, beispielsweise, enthält den sehr gefährlichen Wirkstoff Digitalis. 2,5g der Blätter können bei Kindern zu schweren Rhythmusstörungen am Herz bis hin zum Herzstillstand führen.

In den vergangen Jahren werden immer mehr Kinder- Studien sprechen von aktuell über 50% - mit pflanzlichen „natürlichen“ Arzneimitteln behandelt. Beruhigend ist, dass eine schweizerische Untersuchung der Daten des Giftnotrufs  über einen Zeitraum von 10 Jahren keine schweren Verläufe nach der – irrtümlichen – Einnahme von pflanzlichen Arzneimitteln zeigte. Gravierende Nebenwirkungen scheinen also selten zu sein.

Um die Wirksamkeit von Arzneimitteln zu beweisen, sind jedoch Studien mit  bestimmten Kontrollgruppen notwendig. Für pflanzliche Arzneimittel existieren leider hier nur begrenzt Daten. So konnte gezeigt werden, dass Teemischungen mit Fenchel bei Koliken wirksam sind. Flohsamen können bei Reizdarm helfen. Verschiedene Kombinationspräparate verbessern Durchfallerkrankungen. Für psychische Erkrankungen lassen sich im Augenblick mangels aussagekräftiger Studien keine Empfehlungen für pflanzliche Medikamente aussprechen. Für die Prävention von Atemwegsinfekten gibt es keine eindeutig positiven Wirksamkeitsstudien. Bei der Therapie scheinen bestimmte Präparate mit Efeu oder mit Pelargonium sidoides positive Effekte auf den Krankheitsverlauf zu haben. Letzteres kann möglicherweise sogar zu einer Reduktion der Asthmaattacken während eines Virusinfektes führen. Es gibt hier noch viel zu erforschen.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

 

Ohnmachtsanfälle im Kindesalter

Ohnmachtsanfälle kommen in jedem Alter vor und sogar schon bei Säuglingen. Am häufigsten sind Jugendliche und junge Erwachsene betroffen.

Was passiert da überhaut?

Ein Ohnmachtsanfall (auch Synkope genannt) entsteht, wenn für kurze Zeit das Gehirn nicht ausreichend mit Blut versorgt wird. In der Regel ist dies nur von kurzer Dauer und der/die Betroffene erholt sich wieder schnell und vollständig. Wir unterscheiden verschiedene Typen von Synkopen, allen voran die sogenannten Reflexsynkopen. Durch verschiedene Auslöser kommt es reflexartig zu einem Abfall der Herzfrequenz und des Blutdrucks. Das können so verschiedene Faktoren sein wie Geruch, Niesen, Husten, Urinieren, langes Stehen, Wärme, Alkohol oder Krankheit und Fieber. Auch Emotionen spielen eine Rolle. Vielen bekannt dürften Ohnmachtsanfälle beim Anblick von Spritzen und Blut sein. Aber auch der Schmerz selbst oder Panik und Angstreaktionen können zu einer Synkope führen, nicht zuletzt auch durch die häufig damit verbundene Hyperventilation (das bedeutet: schnelles, heftiges Atmen). Die Mechanismen, wie es dann genau zu einer Synkope kommen kann, sind sehr interessant und vielfältig. Zum einen laufen manche Reflexe sehr schnell direkt über Hirnnerven zum Herzen und lösen hier einen langsamen Herzschlag und Blutdruckabfall aus. Andere Reaktionen werden mit der „Gehirnselbstschutztheorie“ erklärt. Bei drohender Minderdurchblutung des Gehirns werden bestimmte Reflexe aktiviert oder gehemmt, - nämlich mit dem Ziel, den stehenden Menschen zum Liegen zu bringen und so wieder eine bessere Durchblutung des Gehirns zu ermöglichen.

Gut bekannt ist vor allem bei weiblichen Jugendlichen und jungen Damen die „orthostatische Dysregulation“. Hier kommt der Körper beim Aufstehen vom Sitzen oder Liegen mit dem Nachregulieren des Blutdruckes durch die Gefäße nicht schnell genug nach. Das Blut „versackt“ in den Venen und im Gehirn kommt zu wenig „Blutdruck“ an. Begünstigt wird dieser Mechanismus durch zu wenig Trinken.

Weitere Ursachen von Ohnmachtsanfällen können auch Herzerkrankungen und Herzrhythmusstörungen sein. Und sie können auch Symptome ganz anderer Erkrankungen wie Diabetes oder Krampfanfälle sein.

Was können Sie tun?

Auf alle Fälle ist zu klären, um welche Art eines Ohnmachtsanfalls es sich handelt. Am häufigsten sind die oben genannten „Reflexsynkopen“, oft in Verbindung mit nicht ausreichend schneller Regulation des Blutdruck und begünstigt von einer ungenügender Trinkmenge. Eine Herzerkrankung sollte ausgeschlossen werden. Die individuelle Handlungsempfehlung ergibt sich dann aus der Diagnose.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert