Schon wieder Kopfschmerzen

Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter Kopfschmerzen. Im Vorschulalter sind dies bis zu 20 Prozent der Kinder. Hier ist der Kopfschmerz häufig Beigabe von Infekten: Schnupfen, Infekte der Ohren- oder Nasennebenhöhlen sind meistens die Ursache. In einer großen, ganz aktuellen Untersuchung berichten fast drei Viertel aller Schüler aus der siebten Jahrgangsstufe, dass sie Kopfschmerzen hatten oder haben. Mädchen sind etwas häufiger betroffen als Jungen. Einen Migräne-typischen Kopfschmerz beklagen davon 38%, einen sogenannten Spannungskopfschmerz 32% der Kinder und Jugendlichen. Nur ein Viertel der Betroffenen wird einem Arzt vorgestellt. Mehr als die Hälfte nimmt als Selbstmedikation Schmerzmittel ein, die meist von Kopfschmerz-erfahrenen Familienmitgliedern empfohlen sind.

Wie es zu diesen Kopfschmerzen kommt, ist letztlich noch nicht geklärt. Bei Migräne spielen die Gene nachweißlich eine Rolle. Ein Ungleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn scheint bei den Betroffenen zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit zu führen. Gleichzeitig spielen vermehrte Entzündungen in den kleinsten Hirngefäßen eine Rolle. Spannungskopfschmerzen entstehen wahrscheinlich durch Erschöpfung des Schmerzzentrums im Gehirn. Durch eine erhöhte Sensitivität auf Schmerzreize wird das Schmerzzentrum übermäßig in Anspruch genommen und kann schließlich nicht mehr ausreichend regulieren. Verspannungen der Nacken- und Schultermuskulatur, die dieser Schmerzart den Namen gaben, sind vermutlich tatsächlich an der Entstehung beteiligt.

Für die Entstehung der Kopfschmerzen bei Kindern werden Faktoren wie der zunehmender Stress in der Schule, Umweltbedingungen, Lebensgewohnheiten und die Ernährung verantwortlich gemacht. Die Kinder und Jugendlichen verbringen viel Zeit sitzend am Computer und vor dem Fernseher und wenig draußen an der frischen Luft in Bewegung. Unausgewogenes Essen, eine geringe Trinkmenge und Schlafmangel können Ursachen für Kopfschmerzen sein.

Bei immer wieder kehrenden Kopfschmerzen lohnt es sich, ein Kopfschmerztagebuch zu führen, um die individuellen Faktoren heraus zu finden. Die rein medikamentöse Prophylaxe und Therapie von Kopfschmerzen führt nach einer großen amerikanischen Studie über Migräne im Kindesalter nur wenig zum Erfolg. Ein ganzheitlicher Ansatz ist notwendig, um die optimale Behandlung in diesem komplexen Krankheitsbild zu finden.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. Anette Meidert