Und wieder Zeckenalarm

Für 2023 meldet das Robert-Koch-Institut 475 Fälle von FSME in Deutschland. Die Zahlen schwanken: Im „Rekordjahr“ 2020 waren es 718 Fälle. FSME ist die „Frühsommer-Meningoenzephalitis“, - eine Erkrankung, die von Zecken übertragen wird. Und wie in den Jahren vorher traten 2023 die meisten Fälle in Baden-Württemberg und Bayern auf. Die Erkrankung dehnt sich weiter aus: Wieder wurden zwei weitere Regionen vom Robert-Koch-Institut als Risiko-Gebiete definiert.

In den vergangen Jahren wurde mit breit angelegten Studien untersucht, welche Zeckenarten sich bei uns in Deutschland verbreitet haben. Verschiedene tropische Zecken wurden gesichtet, die häufigste Zeckenart bei uns ist jedoch weiterhin der „gemeine Holzbock“.

Zecken sind in der Regel zwischen April und Oktober aktiv und können in Deutschland vor allem zwei Krankheitserreger für den Menschen übertragen: Borrelien und FSME-Viren.

Bei der Übertragung von FSME-Viren kommt es bis zu einem Drittel der Infizierten zu Symptomen. Die typische Erkrankung verläuft in zwei Phasen:  Zuerst treten Infekt-Zeichen wie Kopfschmerzen und Fieber etwa 7-14 Tagen nach dem Zeckenstich auf. In bis zu 30% der Fälle kann es dann nach einem kurzen symptomfreien Intervall zu dem schweren Krankheitsbild der Gehirn- und Gehirnhautentzündung kommen. Kinder sind in der Regel seltener als Erwachsene von einem schweren Verlauf betroffen.

Borrelien werden in ganz Deutschland von Zecken übertragen. Man geht von einer Erkrankungshäufigkeit von 0,3-1,4% aus. Genaue Zahlen stehen nicht zur Verfügung. Es wird jedoch von einer deutlich höheren asymptomatischen Infektionsrate ausgegangen, da etwa jede dritte Zecke mit Borrelien infiziert ist. Symptome einer ausgebrochenen Borreliose sind Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Unbehandelt können neurologische Probleme und Gelenksentzündungen folgen.

Zecken leben im hohen Gras und in bodennahen Büschen. Bei einem Zeckenstich gelangen Borrelien frühestens nach 10 Stunden in den Menschen, das FSME-Virus dagegen sofort. Daher lohnt es unbedingt, nach jedem Spaziergang sich selbst und die Kinder gut auf Zecken zu untersuchen. Bei der Entfernung der Zecke sollte ein Drücken oder Quetschen der Zecke möglichst vermieden werden. Am besten gelingt dies mit einer speziellen Zeckenzange oder –karte. Danach ist es hilfreich, Ort und Datum des Zeckenstiches aufzuschreiben:  Es ist wichtig, die Haut um den Zeckenstich für drei Wochen gut zu beobachten. Für eine Borrelien-Infektion spricht die sogenannte „Wanderröte“. Es zeigt sich eine rundliche Rötung, die sich weiter ausbreitet und zentral abblasst, also eher zum Kreis wird. Sehen Sie eine solche Wanderröte, dann sollten Sie umgehend Ihre Kinderärztin aufsuchen. Eine Therapie ist notwendig, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Gegen Borrelien gibt es (noch) keine Impfung. Gegen die FSME stehen verschiedene Impfstoffe zur Verfügung. Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinder- und Jugendärztin Dr. med. Anette Meidert

Migräne bei Kindern und Jugendlichen

Migräne ist laut einer großen Studie der WHO eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit und geht mit einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität einher. Nach neueren Daten sind in Deutschland Kinder schon im Alter zwischen sieben und zehn Jahren zu 1% betroffen, Gymnasiasten zu 9,4%. Nimmt man den Kopfschmerz-Mischtyp von Spannungskopfschmerz und Migräne dazu, sind es sogar 32%. Und die Zahlen sind in den letzten Jahren, besonderes während und nach der Corona-Zeit, steigend.

Wie äußert sich Migräne?

Häufig wiederkehrende Kopfschmerzen, eingeschränkte Belastbarkeit und deutliche Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens (dazu gehört auch verstärkte Müdigkeit) sind häufige Symptome der Migräne im Kindesalter. Vegetative Symptome wie Lichtempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen können im Vordergrund stehen und Kopfschmerzen manchmal gänzlich fehlen. Kinder beschreiben Migränekopfschmerzen im Unterschied zu Erwachsenen häufig als „drückend“, eher in der Mitte der Stirn oder an beiden Schläfen. Die typische Einseitigkeit beginnt in der Regel erst mit der Pubertät. Daneben sind im Kindesalter auch die Spannungskopfschmerzen häufig und eben die Mischung aus Migräne und Spannungskopfschmerzen.

Was können Sie tun?

Zunächst ist es wichtig, andere organische Ursachen von Kopfschmerzen, wie beispielsweise eine Nasennebenhöhlenerkrankung oder eine Fehlsichtigkeit, auszuschließen. Ihre Kinderärztin/-arzt wird viele Fragen stellen und einige Untersuchungen durchführen. Ist die Diagnose „Migräne“ gestellt gibt es verschiedene Therapieansätze.

Die rein medikamentöse Prophylaxe und Therapie von Migräne führt nach einer großen amerikanischen Studie im Kindesalter nur wenig zum Erfolg. Nichtmedikamentöse Maßnahmen sind daher von vornherein ein wichtiger Bestandteil der Migränetherapie im Kindes- und Jugendalter. Laut der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft sind die nicht-medikamentösen Maßnahmen speziell bei Kindern sogar in ihrer Wirksamkeit mit Medikamenten vergleichbar.

Entspannungsverfahren, wie Muskelrelaxation nach Jakobson, autogenes Training und Biofeedback, sind für Kinder und Jugendliche gut geeignet. Weiter kann es beispielsweise hilfreich sein, Pfefferminzöl auf die Schläfen auftragen (NICHT bei Säuglingen und Kleinkindern!), kalte (oder warme) Waschlappen auf den Nacken legen und schlafen. Der Zusammenhang zwischen Migräne und muskulärer Verspannung gilt als gesichert. Übungen zu Dehnung, Lockerung und Kräftigung der Schulter-Nacken-Muskulatur können von den Kindern und Jugendlichen selbst durchgeführt werden.

Die Migräneneigung wird zudem gefördert, wenn die Kinder und Jugendlichen unter zu wenig Schlaf, zu wenig tägliche Freizeit und Überforderung in der Schule leiden. Mangelnde körperliche Aktivität, sehr einseitige Ernährung, zu viel Kaffee und Nikotin sind ebenfalls ungünstige Faktoren. Eine Lebensstil-Änderung kann hier wesentlich zur Symptomerleichterung beitragen.

Körperliche Aktivität spielt dabei eine große Rolle in vielerlei Hinsicht. Die Förderung der Selbstwirksamkeit des Kindes oder Jugendlichen im Umgang mit der Migräne zu stärken, ist ein langfristiges, wichtiges Ziel. Ein ganzheitlicher Ansatz ist notwendig, um die optimale, individuelle Behandlung in diesem komplexen Krankheitsbild zu finden.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. Anette Meidert

Frühjahrszeit-Unfallzeit

Kinder und Jugendliche haben einen großen Bewegungsdrang. Da ist es nicht ungewöhnlich, dass sie sich dabei auch einmal verletzen.

Meist sind es glücklicherweise kleinere Verletzungen. Bei bis zu 15% aller Kinder und Jugendliche ist jedoch eine Krankenhausbehandlung notwendig (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, KiGGS).

Das Alter der Kinder spielt dabei eine Rolle: Säuglinge und Kleinkinder verletzen sich am häufigsten zuhause, während Schulkinder und Jugendliche sich eher in der Freizeit, beim Sport und in der Schule verletzen.  

Viele Unfälle könnten vermieden werden: Der Säugling auf dem Wickeltisch wartet nur darauf, dass Sie sich umdrehen, um seinen ersten Flugversuch zu unternehmen.

Kleinkinder sind unendlich neugierig. Sie wollen alles erkunden und anfassen. Der Kochtopfhenkel? Was ist denn das? Klar, der muss mal runter zu mir. Leider war da im Kochtopf kochendes Wasser drin.... Die Treppe? Die kann ich schon allein gehen...fast. Und nach draußen zum Teich wollte ich sowieso schon den ganzen Winter!

Nehmen Sie das Frühjahr zum Anlass, Ihre Sicherheitsmaßnahmen zu überprüfen. Vielleicht ist doch eine Schraube an der Absperrung zum Garten locker? Gehen Sie davon aus, dass gerade Ihr Kind so schlau ist, die Schwachstellen zu finden!

 

Bei Schulkindern und Jugendlichen sind Verkehrsunfälle ganz oben in der Statistik. Fahrradhelme tragen ganz wesentlich dazu bei, dass Stürze auf den Kopf glimpflich ablaufen. Leider kam aber in der oben genannten Studie heraus, dass die Kinder und Jugendlichen die Fahrradhelme nicht so häufig tragen, wie Ihre Eltern das denken. Wie können Sie bei Ihrem Kind sicherstellen, dass es den Helm auch trägt?

 

Gleich danach kommen die Unfälle im Sport. Doch heißt das nicht, Sport ist gefährlich! Ganz im Gegenteil: Regelmäßige körperliche Bewegung fördert Reaktionsfähigkeit und motorische Koordination, wodurch sich Unfälle vielleicht ganz vermeiden lassen. Und Kinder und Jugendliche haben viel Spaß dabei.

Und wenn doch einmal etwas passiert? Dann ist das Geschrei groß und Mama und Papa müssen helfen. Sofort!

Wichtig dabei ist, dass Sie Ruhe bewahren. Kinder und Jugendliche reagieren sofort auf Ihre Reaktion. Wenn Sie sehr erschrecken, verstärkt dies das Geschrei. Also: Tief durchatmen und erst mal genau nachsehen, was passiert ist. Oft ist der Schreck das größte Übel. Vielleicht sieht es im ersten Augenblick furchtbar aus. Kopfwunden, beispielsweise, bluten sehr, sind aber oft harmlos.

Wie wäre es mit Frühjahrsputz im Erste Hilfe Kasten? Haben Sie noch genug Desinfektionsmittel? Pflaster? Gummibärchen?

Und wenn es tatsächlich mal ernster ist, haben Sie bestimmt die Telefonnummer einer netten Kinderärztin zur Hand, die Ihnen weiterhilft.  Mit Verband und Gummibärchen.

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

 

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

Ostern, Eier und gesunde Ernährung

Ostern steht vor der Tür-ein schlechter Zeitpunkt über gesunde Ernährung zu sprechen?

 

Die erste Frage ist gleich: Was genau ist gesundes Essen. Wir verbinden damit meist, mit frischen und natürlichen Lebensmitteln selbst zu kochen. Auch die aktuellen Empfehlungen für die Kinderernährung sehen dies so. Die Wirklichkeit sieht jedoch oft anders aus: Der gesellschaftliche Wandel und die Zeitverknappung in den Familien bringen viele Fertigprodukte auf den Tisch: Angefangen vom Früchtejoghurt aus dem Kühlregal bis hin zur Tiefkühlpizza.

Und dann sind da noch die Kinder selbst, die „gesund“ oft mit „schmeckt nicht“ gleichsetzen und überhaupt nicht dazu zu bewegen sind, frische Paprika zu essen, höchstens vielleicht Nudeln mit Tomatensoße, und das auch nur mit den Fingern. Aber Süßes? Jederzeit! Und erst die vielen bunten Ostereier....  

 

Das Bevorzugen von Süßem und die Abneigung gegenüber grünem Gemüse und neuen Lebensmitteln sind den Kindern angeboren. Unseren Vorfahren half dies, zu überleben und unverträgliche Nahrung zu meiden. Süßes war gleichzusetzen mit vielen, schnellen Kalorien, Grünes konnte potentiell giftig sein. Neue, unbekannte Nahrung wurde nur in kleinsten Bissen probiert.

Im Kindergartenalter ist dieses ursprüngliche Essverhalten am stärksten ausgeprägt. Die Kinder beobachten dann immer mehr ihre Ess-Umgebung und ahmen das Essverhalten nach.

 

Nicht vergessen darf man die Bedeutung der Getränke: In Limonade und Cola ist viel Zucker enthalten. Das ist jedem klar. Weniger bekannt ist, dass Apfelsaft etwa die gleiche Menge Energie in Form von Fruchtzucker liefert. Die Nationale Verzehrstudie der Bundesregierung sagt uns, dass in Deutschland mehr Kalorien in Form von Säften und Nektaren verzehrt werden als durch Limonaden. Also: Lieber Wasser und ungesüßten Tee anbieten. Auch die Zähne werden es Ihnen danken.

 

Klar ist, dass eine ausgewogene, gesunde Ernährung auch weiterhin die allgemeine Empfehlung für gesundes Wachstum und Entwicklung ist. Dazu gehört auch, dass es den Kindern vorgelebt und in einfachen Worten erklärt wird: Z.B. dass da doch noch die grüne Farbe auf dem Teller fehlt. Denn viele Farben sind gesund. Das weiß auch der Osterhase.

 

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert

Schlafen, schlafen und noch mehr schlafen.

Wer braucht wieviel Schlaf?

Teenager bekommt man am Wochenende und in den Ferien erst mittags aus dem Bett. Das Baby und damit auch die ganze Familie haben allerdings eine schwierige Nacht gehabt.

Schlafstörungen im Kindes- und Jugendalter sind häufig. Man schätzt, dass etwa 20-40% aller Kinder und Jugendlichen unter einer Schlafstörung leiden.

Aber wie viel soll denn ein Kind bzw. Jugendlicher schlafen? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten.

Der Schlafbedarf ist abhängig vom Alter. Säuglinge schlafen im Durchschnitt ungefähr 14 Stunden, Teenager ungefähr acht Stunden (auch, wenn es manchmal für die Eltern anders aussieht). Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass der Schlafbedarf individuell sehr unterschiedlich sein kann. Bei Säuglingen kann die Abweichung vom Durchschnitt bis zu vier Stunden, bei Jugendlichen bis 2,5 Stunden ausmachen.   

Abhängig vom Alter ist auch die Länge des Schlafzyklus. Jeder Mensch hat Phasen von Tiefschlaf und leichterem Schlaf. Beim Säugling ist dieser Zyklus etwa 45 min lang, beim Erwachsenen etwa 90min. Säuglinge haben also viel häufiger Phasen, in denen sie vielleicht Geräusche machen, sich bewegen oder sogar weinen, ohne richtig wach zu werden. In diesen Momenten ist es wichtig, sehr vorsichtig mit dem Kind umzugehen und es nicht ganz aufzuwecken. Es lernt dabei, wieder ein- bzw. weiterzuschlafen. Das Stillen ist davon nicht betroffen: Säuglinge unter 6 Monate werden in der Regel einmal nachts gestillt, danach ist dies aber nicht mehr unbedingt notwendig. 

Was tun, wenn es mit dem Schlafen nicht klappt? Viele Schlafstörungen sind harmlos und durch einfache Verhaltensmaßnahmen zu beeinflussen.

Ein regelmäßiger Tagesablauf, Einschlafrituale (nicht länger als 15 min), eine regelmäßige Zubettgehzeit sind für einen gesunden Schlaf förderlich. Ruhigere Aktivitäten vor dem Ins-Bett-Gehen, insbesondere Vermeidung von aufregenden Fernsehsendungen und Beschäftigungen am Bildschirm sind günstig für eine schnelle Einschlafphase.

Harmlos sind ebenfalls Schlafstörungen bei Infekten und behinderter Nasenatmung. Sicher haben Sie Nasentropfen zu Hause, um die Nase frei zu bekommen.

Daneben gibt es noch einige Erkrankungen, wie zum Beispiel die übergroßen „Polypen“, die im Schlaf zu Schnarchen bzw. sogar zu Atempausen führen können. Sie zu erkennen und zu behandeln ist für die Entwicklung des Kindes wichtig.

Ein ausgeschlafenes Kind ist fröhlich und aktiv.

Schlaf ist wichtig - für die ganze Familie!

Haben Sie noch Fragen? Ihre Kinderärztin berät Sie gerne.

 

Herzliche Grüße,

Ihre Kinderärztin Dr. med. Anette Meidert